Nachlese: 3. Digitales HR-Forum

Corona hat vieles verändert. Dazu gehören auch die Aufgaben der HR-Abteilungen und der Stellenwert von Personalcontrolling-Aktivitäten in Unternehmen. Die HR-Funktion hat sich im Angesicht der Krise zum ersten Ansprechpartner des Managements und zum Experten auf Augenhöhe entwickelt. Doch die Personaler standen vor neuen Aufgaben: Stichwort Kurzarbeit. Gleichzeitig hat es sich aber als lohnend erwiesen, dass schon in den letzten Jahren stark daran gearbeitet wurde, sich als ernstzunehmender Player in der Unternehmenssteuerung zu etablieren. Business Partnering, HR-Controlling oder People Analytics sind nur einige Schlagworte, die in den letzten Jahren zur Stärkung der HR-Abteilungen beigetragen haben.


Ebenfalls der Corona-Krise geschuldet war, dass das 3. HR-Forum erstmals komplett digital stattfand. Die positive Resonanz zeigt, dass agiles Agieren zu einem erfolgreichen Tagungsformat beitragen kann. Knapp 70 Personalführungskräfte und EntscheiderInnen folgten der Einladung des Controller Instituts ins Netz.

Im digitalen Plenum begrüßte Controller-Instituts-Geschäftsführerin Rita Niedermayr die Teilnehmenden via Video. Sie freute sich über die erste komplett digitale Tagung des Controller Instituts und erläuterte kurz das an die COVID-19-Krise adaptierte Programm.

Den ersten Vortrag des Tages zum Thema „People as Competitive Advantage“ hielt Michael Hakes, Group HR Director bei Mondi. Er ging zunächst darauf ein, dass eine Krise immer eine Gefahr, aber auch eine Chance darstellt und gerade die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen auf unser gesamtes Leben, jeden einzelnen und jedes Unternehmen vor riesige Herausforderungen stellt.

Bei Mondi ist COVID-19 bereits seit Mitte Februar ein Thema, da es Werke in China und anderen südostasiatischen Ländern gibt. Es kamen zahlreiche Herausforderungen auf das Unternehmen zu: Etwa musste die Produktion weiterlaufen und während einige Produkte wesentlich stärker nachgefragt wurden (WC-Papier), ging bei anderen Produkten die Nachfrage rapide zurück (Druckerpapier). Gleichzeitig wurde mitten in der Krise der CFO zum CEO und ein Nachfolger für den Finanzvorstand musste gefunden werden.

Die Herausforderungen der HR-Abteilung waren also äußerst vielfältig.

Zum Glück gibt es bei Mondi seit rund eineinhalb Jahren eine ausformulierte HR-Strategie, die sich gerade in der Krise als ein nützliches Instrument absolut bewährt hat, verdeutlichte Michael Hakes eindrucksvoll: „Was ist das ‚New Normal‘? Für uns bedeutet eine erfolgreiche Transformation immer einen ganzheitlichen Ansatz“, machte er klar.

Aus seiner Sicht hat HR die Chance, einen echten Unterschied für die Mitarbeiter zu machen und zwar unter dem Schlagwort der Employee Experience. Denn der Druck auf die Belegschaft ist enorm und wird voraussichtlich im Angesicht der volatilen Gesamtsituation auch so bleiben.

Future HR – Was hat die Krise geändert?

Im Anschluss diskutierte Michael Hakes unter der Moderation von Rita Niedermayr mit Claudia Kopitar (Head of HR, EY Österreich) und Johannes Zimmerl (Geschäftsführer und Konzernpersonalleiter, REWE). Unter dem Motto Future HR – Hat sich das Zielbild der HR-Funktion durch Corona verändert? wurden die Auswirkungen der jüngsten Vergangenheit auf das Personalwesen intensiv diskutiert.

Einig waren sich die drei Diskutanten, dass sich der Stellenwert der HR im Unternehmen dank der Krise durchaus gefestigt hat. Strategische Entscheidungen mussten wesentlich agiler getroffen werden und HR war ein entscheidender Partner des Managements in den vergangenen Wochen. Gleichzeitig sind auch zahlreiche neue Anforderungen an die HR-Abteilungen gestellt worden, etwa die Koordination der Kurzarbeit, die traditionell eher Industriebetriebe in konjunkturschwachen Zeiten betroffen hat, beschäftigt nun Betriebe in allen Branchen. Claudia Kopitar meinte insgesamt: „Aus der Krise kommen wir mit vielen neuen Impulsen und Erfahrungen. Das stärkt uns als HR-Abteilung.“

Ebenfalls spannend war die Situation der REWE-Gruppe. Als systemrelevant von der Bundesregierung eingestuft, war sie mitverantwortlich für Österreichs Grundversorgung. Gleichzeitig war auch hier auf Konzernebene Kurzarbeit ein Thema. Für Johannes Zimmerl waren mit einem Schlag Abstimmungen mit Ministerien, der WKO und anderen Interessensvertretungen an der Tagesordnung. Gleichzeitig ist Zimmerl überzeugt: „Gerade in der Krise ist die Funktion der HR ja nochmals eine andere. Denn die Frage ist zentral: Wie halte ich die Mitarbeiter auf der Fläche bei Laune?“.

Michael Hakes meinte zur Rolle von HR: „Veränderungsprozesse sind durch die Krise schnell und pragmatisch durchgeführt worden. Es wäre falsch, wieder ins alte ‚normal‘ zurückzukehren.“

Insgesamt waren sich alle drei einig, dass HR weiterhin ihre Rolle in der Organisation stärken muss, da so auch ein großer Mehrwert über die klassischen Personalagenden hinaus für Unternehmen geschaffen werden kann.

Virtueller Kaffee und parallele Foren

Nach dem Plenum war die nächste Premiere: Statt der üblichen Kaffee-Pause wurde zum virtuellen Kaffee geladen. Denn auch wenn das HR-Forum in diesem Jahr online stattfand, sollte der Austausch unter den Teilnehmern nicht zu kurz kommen.

Wie können Unternehmen ihre strategische Personalplanung zukunftssicher gestalten? Unter diesem Thema präsentierten Benedikt von Kettler (HUMAN HMN GmbH) und Gabriel Kroisleitner (ÖBB) ihre Ansätze zum Future Workforce Planning.
Parallel wurde unter der Moderation der wissenschaftlichen Tagungsleiterin, Silke Wickel-Kirsch, zum Thema Personalcontrolling Next Generation diskutiert. Anschließend stellte René Pannier (REWE Group) ein HR-Dashboard vor und gab Einblick in das Personalmanagement der REWE-Gruppe.

Nach der Mittagspause konnten alle Teilnehmenden etwas interaktiver an der HR-Design-Challenge teilnehmen. Design Thinking ist derzeit in aller Munde. Während diese Technik eigentlich aus der Start-up-Szene kommt, wird sie immer häufiger zur Prozessoptimierung in verschiedenen Unternehmen und Organisationen eingesetzt. Christian Kreuzer und Clemens Nachbauer (beide Controller Institut) veranschaulichten eindrücklich die unterschiedlichen Phasen des Design-Thinking-Prozesses und gaben den Interessierten die Möglichkeit sich in digitalen Klein-Gruppen direkt mit relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen. Denn gerade für HR kann Design Thinking ein effizientes Tool sein, um Innovationen in die Abteilung zu bringen. Spezifische Ansätze zu Berichtswesen, Prozessen, Kennzahlenentwicklungen, Dienstleistungen, Kommunikation und Kooperation sowie Rollenverständnisse innerhalb von HR können so von einem neuen Blickwinkel aus betrachtet und weiterentwickelt werden.

Von HR-Prozessen und People Analytics & AI

Kerstin Hauptmannl (EY Deutschland) und Michael Norsky (Service Now) widmeten sich der verbesserten Employee Experience durch einen One-Stop-Shop und präsentierten außerdem eine Case Study zu diesem Thema. Unter der Moderation von Hendrik Schmahl (EY Deutschland) wurde im Anschluss über die Digitalisierung von HR-Prozessen und den großen Mehrwert für Mitarbeiter und Kunden diskutiert.

Technologische Revolutionen machen auch vor den HR-Abteilungen nicht halt, zeigten Christian Vetter (HRForecast), Susanne Zach (EY Österreich) und Ulrike Potocki (Telekom Austria AG) in Forum 4. Sie präsentierten ihre Ansätze zum Thema People Analytics & AI und setzten so neue Impulse.

Den letzten Vortrag des Tages zum Thema Future HR – Personalmanagement in der COVID-19-Krise als Treiber der Veränderung hielt Sandra Berenbold (Energy Factory St. Gallen). Die Corona-Pandemie zeigt deutlich, dass die New-Work-Transformation auf den Prüfstand ist. Eine Studie (Bruch & Meifert 2019; veröffentlich im Personalmagazin) hat über 300 Arbeitnehmer befragt und kommt zu dem Schluss, dass mittlerweile 95 Prozent (vorher 69 Prozent) im Homeoffice arbeiten, ein Arbeiten in virtuellen Teams und der Einsatz von digitalen Technologien stehen an der Tagesordnung. Zeitgleich geben 20 Prozent an, an der Belastungsgrenze zu stehen. Aber ob COVID-19 den überfälligen Schub für eine neue Arbeitswelt gegeben hätte, verneint Berenbold: „Die Antwort ist nein, nicht zwangsläufig.“ Es braucht flexible Arbeitsstrukturen, eine weitere Nutzung agiler Methoden, steigende Selbstkompetenz der Mitarbeiter, eine neue Vertrauenskultur und Leadership mit Inspiration und Vision. Dabei muss die Personalabteilung die Lücke schließen. Sie sagt: „HR muss zum Enabler der Arbeitsorganisation werden. Neue Aufgaben werden auf die Personaler zukommen. Grundsätzlich hat Corona nichts geändert, aber es hat die Dringlichkeit erhöht.“

Insgesamt war die erste digitale Durchführung des HR-Forums ein voller Erfolg. Wir danken unseren Gold Partnern EY und Service Now sowie HRForecast, HUMAN und den Medienpartnern DER STANDARD und Magazin Training.


Weiterbildungstipp

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Wann? Start am 14. September 2020 | Wo? Seminarhotel & Palais Strudlhof, Wien

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