Operational Transfer Pricing

Das Management konzerninterner Verrechnungspreise stellt für internationale Konzerne eine besondere Herausforderung dar. Die Implementierung eines technologieunterstützten Internen Kontrollsystems für die Steuerfunktion (Steuer-IKS) unter Einbindung des Controllings, des Business und sonstiger Stakeholder kann ein Lösungsansatz sein.

1. Rahmenbedingungen

Eine der größten Herausforderungen für international tätige Konzerne ist das Thema Verrechnungspreise, und zwar sowohl für die Controlling-Abteilung als auch für die Steuerabteilung. Aus Sicht des Controllings stellen Verrechnungspreise ein wesentliches Instrument der Unternehmens- bzw Konzern­steuerung dar. Aufgrund von mittlerweile häufig wechselnden Geschäftsmodellen (Stichwort: Digitalisierung) muss auch die interne Leistungsver­rechnung permanent überprüft und ggf angepasst werden.

Für die Steuerabteilung steht das Thema Tax Compliance (= die Einhaltung der relevanten Steuerregeln) im Vordergrund. Dabei sollte – aufgrund der aktuellen Entwicklungen bei den Finanzbehörden – für die Steuerabteilung mittlerweile ein systemischer Ansatz mit Fokus auf prozessorientiertes Management im Vordergrund stehen. Die österreichische Finanz­verwaltung verfolgt zB mit dem Pilotprojekt „Horizontal Monitoring“ 1 einen Ansatz einer begleitenden und auf Transparenz basierenden Kontrolle mit dem Fokus auf steuerliche Prozesse bzw deren Umsetzung im Unternehmen mittels eines Steuer-IKS angelehnt an den internationalen, von der OECD entwickelten „Co-operative-Compliance“-Ansatzes. 2 Dieser Co-operative-Compliance-Ansatz wird mittlerweile auf internationaler Ebene länderübergreifend mit der Nutzung von Informationen aus den verpflichtenden Transparenz-Anforderungen (zB Country-by-Country Reporting)verknüpft und lautet „International Compliance Assurance Programme“ (ICAP). 3 Österreich nimmt an diesem Piloten aktuell (noch) nicht teil.

 

2. Implementierung eines Steuer-IKS

Der Steuer­gesetzgeber möchte grundsätzlich verhindern, dass Steuereinnahmen durch Verrechnungspreise verringert werden und darüber hinaus erreichen, dass eine „gerechte“ Aufteilung des „Steuersubstrats“ zwischen den involvierten Fisci erfolgt ( „Verteilung des Gewinns bzw Einkommens“). Daher fokussieren sich Finanz­verwaltungen – neben der Prüfung der materiellen Korrektheit der Verrechnungspreise und der zugrunde liegenden Dokumentation – auch auf die Prüfung der operativen Umsetzung der Verrechnungspreise im Konzern (= Operational Transfer Pricing). Der Umgang mit diesem Prüfungs­handlungen bzw die Einhaltung der umfangreichen steuerlichen Vorgaben 4 im Bereich der Verrechnungspreise im Rahmen eines Tax-Compliance-Management-Systems (synonym: Steuer-IKS) ist daher eine der Hauptaufgaben einer Steuerfunktion im Konzern.

Die wesentlichen Themenfelder eines Tax-Compliance-Management-Systems sind die Entwicklung einer Steuerstrategie und deren Seite 90 effektive Umsetzung in einem steuerlichen Prozessmanagement (Implementierung der steuerlichen Kernprozesse) mittels Daten- und Technologiemanagements durch hochqualifizierte Mitarbeiter, um ein effizientes Stakeholder-Management (im Sinne eines internen Reportings an die Geschäftsleitung und eines externes Reportings an die Finanz­verwaltung sowie bei börsenotierten Konzernen im Bereich des Tax Accountings nach IFRS und/oder US/Local GAAP) im Sinne eines Business Enablers zu gewährleisten (siehe Abb 1).

Steuer-IKS; Quelle: Kowallik, Das interne Kontrollsystem für Steuern, Der Betrieb 2015, 2774 (2776)

3. Zusammenführung von Controlling und Steuern

Die Hauptaufgabe des Konzerncontrollings besteht in der Steuerung der einzelnen Konzernbereiche. Das Instrument dafür ist der Verrechnungspreis, der durch eine Optimierung der Bereichsergebnisse der einzelnen Teilbereiche auch zu einer Optimierung des Gesamtkonzernergebnisses führen soll. 5 Verrechnungspreise sollen Angebot und Nachfrage so beeinflussen, dass sich die für den Konzern gewinnoptimale Menge ergibt ( „Vergrößerung des Gewinns“). Verrechnungspreise stellen daher ein System dar, in dem der (konzerninterne) Nutzer nach dem Prinzip der Inanspruchnahme bezahlen soll bzw muss. 6 Kernaktivitäten des operativen Verrechnungspreismanagements sind die Budgetierung, das Forecasting, die Kalkulation/Setzung von Verrechnungspreisen, das Margen-Monitoring, die Adjustierung von Verrechnungspreisen und das Datenmanagement (Extrahierung, Validierung und Strukturierung der relevanten Daten). Aus Controlling-Perspektive geht es daher sowohl um das Setzen von Anreizen als auch um Lenkungs- und Steuerungseffekte (siehe Abb 2).

Kernaktivitäten des operativen Verrechnungspreismanagements; Quelle: Deloitte (2017)

4. Lösungsansatz

4.1. Verrechnungspreis-Lebenszyklus als Programm

Ein Lösungsansatz ist die Integration des Verrechnungspreis-Lebenszyklus in das Steuer-IKS mittels permanentem Programm- und Prozessmanagements. Der Zyklus startet mit einem gemeinsamen Verständnis für das Geschäftsmodell durch die Controlling- und Steuerabteilung. Hier gilt es zu klären, ob die konzerninterne Verrechnung zu einem Preis erfolgen kann, der sowohl aus Controlling- als auch aus Steuerperspektive sinnvoll ist ( Ein- oder Zwei-Preis-Modell). Danach gilt es, das gewählte Modell konkret zu entwickeln ( „planning“) und in eine Governance-Struktur zu überführen ( „policy“). Anschließend folgen die Kernaufgaben der Verrechnungspreisbe­rechnung/-setzung ( „calculate“), der Implementierung ( „execute“) und der Kontrolle bzw Anpassung ( „monitor“). Eine umfassende Dokumentation ( „document“) bildet die notwendige Grundlage für das Stakeholder-Management mit dem Fokus auf die steuerliche Betriebs­prüfung ( „defend“) (siehe Abb 3).

Verrechnungspreis-Lebenszyklus; Quelle: Deloitte 2017

4.2. Daten- und Technologiemanagement

Entscheidend für die operative Umsetzung eines integrierten Verrechnungspreismodells ist ein umfassendes Datenmodell, dass sowohl die notwendigen transaktionsbasierten Daten für das Controlling als auch für die Steuerabteilung beinhaltet. Exemplarisch dargestellt an der Konzernstruktur: Das Controlling denkt eher in Divisionen oder Bereichen, während die Steuerabteilung in Legaleinheiten denken muss, weil diese als Steuersubjekt der Besteuerung unterliegen. Es gilt daher, beide Dimensionen in einem Modell zu kombinieren.

Dieses Datenmodell ist Grundlage für die Nutzung technologischer Lösungen, die insb die Kernaufgaben Verrechnungspreiskalkulation/-setzung, Margen­steuerung und Verrechnungspreisanpassung unterstützen können. Einerseits handelt es sich dabei um Lösungen, die an ERP-, BI- oder sonstige Systeme andocken, zB von Oracle 7 , Longview 8 , Thomson Reuters 9 oder Optravis 10 , oder Bestandteil einer integrierten Plattform sind, zB von S/4 HANA unter Nutzung einer Universal-Ledger-Tabelle (ACDOCA) 11 .

 

Auf den Punkt gebracht

Die Nutzung technologischer Lösungen aufbauend auf einem umfassenden, integrierten und transaktionsbasierten Datenmodell ist Grund­voraussetzung, um die Aufgaben­stellungen Unternehmens­steuerung und Einhaltung der Tax Compliance zu gewährleisten; idealerweise eingebunden in ein Steuer-IKS, um sowohl die Erwartungen eines wesentlichen Stakeholders, der Finanz­verwaltung, zu erfüllen als auch um das notwendige Prozessmanagement im Unternehmen sicherzustellen.

 

1 Vgl zB BMF (Hrsg), Horizontal Reporting, Evaluierungsbericht, https://www.bmf.gv.at/services/publikationen/BMF_Evaluationsbericht_Horizontal_Monitoring.pdf?63xfqc (Zugriff am 16. 2. 2018).

2 Vgl OECD, Co-operative Compliance: A Framework (2013) 13 und 87.

3 Vgl OECD, International Compliance Assurance Programme (ICAP) http://www.oecd.org/tax/forum-on-tax-administration/international-compliance-assurance-programme.htm (Zugriff am 16. 2. 2018).

4 In Österreich zB das Verrechnungspreisdokumentations­gesetz (VPDG) inkl dazu ergangener Verordnung.

5 Vgl Hanken/Kleinhietpaß/Lagarden, Verrechnungspreise: Praxisleitfaden für Controller und Steuerexperten 2 (2016) 411.

6 Hauser/Kleinhietpaß, Profit Center – Vertriebs-Controlling (2011) 112.

7 Kombination aus Oracle Planning Budgeting Cloud Services (PBCS) und Profitability and Cost Management Cloud Services (PCMCS) für operatives Verrechnungspreismanagement.

8 Longview Operational Transfer Pricing Solution.

9 Thomson Reuters OneSource Operational Transfer Pricing.

10 Optravis Transfer Pricing Management Tool.

11 ACDOCA steht für Accounting Documents Actual. In dieser umfassenden Journaltabelle werden die vorherigen Finanztabellen aus den diversen SAP-Anwendungen (Hauptbuch, FI-CO etc) zusammengeführt.

 

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