Interview: „Konsolidierung ist eine intellektuelle und organisatorische Höchstleistung“

Im Gespräch mit Otto Janschek, Assistenzprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien und Lehrgangsleiter am Controller Institut.


Controller Institut: Was sind aus Ihrer Sicht die Kernfaktoren für erfolgreiche Konsolidierung?

Otto Janschek: Einer der Kernfaktoren ist sicherlich ein klar strukturierter Prozess, bei dem die Verantwortungsbereiche der verschiedenen Personen klar festgelegt sind und ein klarer Zeitplan besteht. Das betrifft nicht nur die Konsolidierungsstelle selbst, sondern beispielsweise auch die Einbindung der Tochtergesellschaften, etwa wann diese ihre Reporting-Packages zu liefern haben oder wann und mit wem Saldenabstimmungen vorzunehmen sind. Alle konzerninternen Differenzen, die vor dem Start der eigentlichen Konsolidierung abgeklärt werden können, führen zu einem glatteren Durchlauf der Konsolidierung.

CI: Unternehmenskonsolidierungen stellen Unternehmen, insbesondere im KMU-Bereich oft vor Herausforderungen. Was würden Sie einem kleinen Unternehmen raten, das im vergangenen Jahr einige Tochterunternehmen akquiriert hat und nun erstmals einen konsolidierten Jahresabschluss vorlegen muss?

Janschek: Dabei sind mehrere Dinge wichtig: Zunächst sind die organisatorischen und technischen Gegebenheiten zu klären. Arbeiten beispielsweise alle Unternehmen, – also das Mutterunternehmen und alle akquirierten Unternehmen – mit der gleichen Buchhaltungssoftware, verringert das die Komplexität deutlich, weil dann relativ rasch für alle Konzerngesellschaften klar ist, welche Daten direkt aus den Systemen für die Konsolidierung bereitgestellt werden können. Organisatorisch muss oft Überzeugungsarbeit geleistet werden, warum Tochterunternehmen auf einmal deutlich mehr Daten und eventuell deutlich früher an den neuen Eigentümer liefern müssen.

Das Zweite ist, dass man sich anschauen muss, welche spezifischen bilanzierungstechnischen Probleme die einzelnen Tochterunternehmen haben. Oft gehören bei KMUs alle Tochterunternehmen der gleichen Branche an. Dadurch ist die Komplexität deutlich geringer bzw. kennen die Mitarbeiter im Unternehmen die Bilanzierungsprobleme, die in den Tochterunternehmen auftauchen, sehr gut. Wenn Tochterunternehmen jedoch in einer ganz anderen Branche tätig sind, kann es sein, dass man sich erst einmal mit deren spezifischen Bilanzierungsthemen beschäftigen muss, damit dann bei der Zusammenführung der Daten oder der Abschlussprüfung keine Überraschungen auftauchen.

Was man in den Abstimmungen mit den Tochterunternehmen möglichst frühzeitig versuchen sollte, ist einen einheitlichen Kontenplan oder -rahmen, der zumindest auf Konsolidierungsebene gilt und auf dem alle Tochterunternehmen ihr Rechnungswesen abbilden, einzuführen.

Wenn nur eine Handvoll Tochtergesellschaften zu konsolidieren sind und sich an der Konzernstruktur auf absehbare Zeit nichts ändern wird, kann die Konsolidierung im ersten Jahr auch in Excel gelöst werden. Dazu sollte möglichst früh versucht werden, mit den Daten vom Vorjahr eine Probekonsolidierung zu machen, um aus diesen Erfahrungen zu lernen. Wer mit dem Aufsetzen des Konsolidierungsprozesses so rechtzeitig beginnt, dass auch die Auswahl einer Konsolidierungssoftware möglich ist, profitiert oft von dem mit der Softwareeinführung mitgekauften Beratungs-Know-how. Das alles hilft dabei, schon kurz nach dem Bilanzstichtag mit der Konsolidierung zu beginnen.

CI: Was mögen Sie an Unternehmenskonsolidierungen besonders?

Janschek: Ich persönlich finde Konsolidierungen ein ganz besonders spannendes Thema. Man muss sich nur vorstellen, wie viele Informationen zusammengetragen werden müssen, damit zunächst einmal das Management des Unternehmens die nötigen Informationen hat, mit denen sie dieses Unternehmen steuern. Der ganze Prozess dauert bei Unternehmen oftmals nur vier bis fünf Wochen. Das finde ich eine intellektuelle und organisatorische Höchstleistung. Nachdem jeder Konzern mit anderen Themenstellungen kämpft, ist es auch immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Lösungswege sind. Insofern habe ich auch bei jedem Unternehmen, bei dem ich irgendetwas zum Thema Konsolidierung gemacht habe, viel dazu gelernt. Durch die laufende Weiterentwicklung der IFRS und die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichterstattung tauchen ständig neue Herausforderungen im Bereich der Konsolidierung auf, sodass ich auch nach vielen Jahren der Beschäftigung mit dem Thema ständig selbst dazulerne.

CI: Warum würden Sie den Lehrgang Certified Group Accountant empfehlen? Welche Kompetenzen werden erworben?

Janschek: Der Lehrgang richtet sich vor allem an Personen, die unmittelbar mit Konsolidierung beschäftigt sind oder an Personen, die entweder Zulieferer in diesem Prozess sind oder die mit den Ergebnissen der Konsolidierung umgehen sollen. Das heißt, es betrifft auch Personen, die in einer finanziellen Führungsposition in einem Konzern sind, mit Konsolidierung selbst arbeitstechnisch nicht so viel zu tun haben, aber mit den konsolidierten Daten arbeiten müssen. In den letzten Jahren sind die Qualitätsanforderungen durch die Tätigkeit der Prüfstelle und die Prüfungsschwerpunkte der FMA gerade bei Konzernthemen (Konsolidierungskreis, Firmenwerte, Wertminderungstest) deutlich gestiegen, und einschlägige Fehlerfeststellungen werden im Lehrgang diskutiert.

Wir haben den Lehrgang so konzipiert, dass Kernkompetenzen zu allen wesentlichen Themen der Konzernabschlusserstellung vermittelt werden. Das betrifft vor allem die Frage, wie man mit Unternehmenserwerben umgeht, wie konzerninterne Umstrukturierungen funktionieren oder wie dieser Prozess EDV-technisch gelöst wird. Für Interessierte, die über geringe einschlägige Vorkenntnisse verfügen oder diese auffrischen wollen, bieten wir zudem Grundlagenkurse an, die optimal auf den Lehrgang vorbereiten.

Bei Unternehmen, bei denen Konsolidierungsprozesse sehr gut laufen, zeigt sich, dass die Personen, die mit Konsolidierung unmittelbar befasst sind, oft auch in angrenzenden Kompetenzfeldern erhebliches Wissen haben. Da gibt es zwei Bereiche: Zum einen sind dies Steuerthemen, insbesondere wie sich Änderungen auf der operativen Ebene bei Tochtergesellschaften auf deren Steuern und auf die Abbildung von Steuern auf der Konzernebene auswirken. Die zweite wesentliche Kompetenz, die man in dieser Funktion braucht, ist, dass man geschickt darin ist komplexe Prozesse zu organisieren, die unternehmensübergreifend funktionieren müssen und bei denen manchmal nicht ganz klar ist, wie Hierarchieebenen verlaufen, – also wenn es beispielsweise aus einer Stabsfunktion heraus bestimmte Anweisungen an Geschäftsführer von Tochtergesellschaften gibt. Hier erweitert man auch seine Kompetenzen.

Ein weiterer Vorteil des Certified Group Accountant ist, dass man sich auch von den anderen Teilnehmenden, die ja oftmals aus ganz anderen Branchen oder Konzernstrukturen kommen, etwas abschauen kann. Das Lernen in diesem Lehrgang erfolgt nicht nur von den Trainern, sondern auch durch die Gespräche, die die Teilnehmer zwischendurch führen und die Netzwerke, die sie dadurch aufbauen.

CI: Vor welchen Herausforderungen stehen Young Professionals und wie kann der Lehrgang beitragen diese besser und schneller zu bewältigen?

Janschek: Wenn ich mich zurückerinnere, als ich selbst begonnen habe mich mit dem Thema Konsolidierung zu beschäftigen und meine ersten Projekte in diesem Bereich gemacht habe, war das wichtigste Learning das Trennen von Wichtigem und Unwichtigem. Man unterschätzt dies am Anfang gerade im Bereich Konsolidierung, wo man mit einer Vielzahl von Standards, externen Regelungen, unternehmensinternen Regelungen, unterschiedlichen Software-Umgebungen, also von einer Fülle von Details erschlagen wird. Hier ist das große Thema den Blick für das Wesentliche zu behalten. Was wir im Lehrgang auf jeden Fall versuchen, ist diese Prozess-Strukturierung herauszuarbeiten, damit man gerade auch für Einsteiger in diesem Bereich den Alltag leichter gestalten kann.

CI: Wie funktioniert hier die Umsetzung in die Praxis?

Janschek: Wir haben einen recht guten Mix. Wir erklären zunächst die Konzepte – ohne Konzepte geht es auch in diesem Bereich nicht. Aber der Schwerpunkt in diesem Lehrgang liegt ganz eindeutig auf der Lösung von in der Praxis vorkommenden Problemen. Die Fallbeispiele, mit denen wir arbeiten, sind zwar vereinfacht, weil wir aus Zeitgründen nicht jedes Detail, welches in der Praxis interessant ist, einbauen können, aber bieten genug Basis für die Diskussion alternativer Herangehensweisen. Der Lehrgang erlaubt innerhalb sehr kurzer Zeit sich ein wirklich gutes Tool-Set aufzubauen, begonnen von organisatorischen Überlegungen bis hin zu konkreten Buchungslösungen, wie man Konsolidierung in der Praxis einfacher und effizienter und auch von der Datenqualität her besser gestalten kann.


Weiterbildungstipp

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