Top-500-Familienunternehmen wachsen stark

STUDIE. Die digitale Transformation ist in familiengeführten Betrieben angekommen: Erfolgreiche Familienunternehmen sind sowohl für die globale Wirtschaft als auch für das Wohlergehen der einzelnen Länder von zentraler Bedeutung. Wie bereits vor zwei Jahren sind auch 2019 die meisten Familienunternehmen im Ranking der weltweiten Top-500 nach Umsatzstärke in Europa und Nordamerika angesiedelt.


Das sind die Ergebnisse des Global Family Business Index 2019 der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY und der Universität St. Gallen. Untersucht wurden die 500 umsatzstärksten Familienunternehmen weltweit. Als Familienunternehmen wurden Unternehmen definiert, bei denen die Familie über mehr als 50 Prozent der Anteile und Stimmrechte verfügt. Börsennotierte Unternehmen wurden als Familienunternehmen gewertet, wenn die Familie mindestens 32 Prozent der Anteile und Stimmrechte hält.

„Familienunternehmen sind das Rückgrat der Weltwirtschaft. Global gesehen repräsentieren sie mehr als zwei Drittel aller Unternehmen und schaffen bis zu 80 Prozent aller Arbeitsplätze. Es besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Stabilität einer Volkswirtschaft und dem Anteil an Familienunternehmen. Einfach gesagt: Erfolgreiche Wirtschaftsstandorte zeichnen sich durch erfolgreiche Familienunternehmen aus. Durch ihre Langzeitorientierung und ihre tendenziell risikoaversen Wachstumsstrategien sind diese selbst ein ganz entscheidender Stabilisator. Es ist beeindruckend, wie konkurrenzfähig Familienunternehmen auch in Zeiten der Transformation sind“, sagt Erich Lehner, Managing Partner Markets und verantwortlicher Partner des EY Entrepreneur Of The Year in Österreich.

Europa stellt die meisten Top-Familienunternehmen

Die regionale Verteilung der weltweit größten Familienunternehmen ist seit 2017 nahezu gleichgeblieben. Insgesamt kommt weiterhin fast die Hälfte (46 %) der 500 größten Familienunternehmen der Welt aus Europa. Die Anzahl der europäischen Unternehmen stieg in den vergangenen zwei Jahren von 224 auf 230, insbesondere durch Neuzugänge aus Deutschland (+11). Ein knappes Drittel (31 Prozent) hat sein Hauptquartier in den USA. In Nordamerika ist ein leichter Rückgang von 154 Unternehmen auf 150 zu verzeichnen. An dritter Stelle liegt Asien mit 19 Prozent – hier sind unverändert zu 2017 94 Firmen im Ranking vertreten. Zwei der umsatzstärksten Familienbetriebe haben ihren Hauptsitz in Ozeanien (2017 ebenfalls zwei), in Afrika gibt es weiterhin vier Firmen. Südamerika erlebt einen leichten Rückgang von 22 auf 20 Unternehmen, stellt aber immer noch vier Prozent des globalen Umsatzanteils.

Familienunternehmen mit Technologie-Schwerpunkt auf dem Vormarsch

Während sich die geografische Verteilung der weltgrößten Familienunternehmen in den letzten Jahren kaum verändert hat, gab es bei den führenden Branchen einige Neuerungen. Der Anteil der Familienunternehmen, die neue Technologien einsetzen, ist in den letzten zwei Jahren deutlich angestiegen. 2019 arbeiten 68 Unternehmen (14 Prozent) im Bereich Smart Infrastructure (2017: 35 Unternehmen, 7 Prozent) und 122 Unternehmen (24 Prozent) im Sektor Advanced Manufacturing & Mobility (2017: 103 Unternehmen, 21 Prozent). Die größte Sparte der umsatzstärksten Familienunternehmen bildet nach wie vor Konsumgüter (2019: 31 Prozent, 2017: 40 Prozent), wenngleich es hier eine Reduktion von 45 Firmen innerhalb der letzten zwei Jahre gab. Auch im Finanzsektor gab es einen Rückgang von vier Prozent, was 21 Firmen entspricht.

Gut jedes vierte Familienunternehmen (28 Prozent), das es 2019 zum ersten Mal unter die Top-500 geschafft hat, ist im Bereich Advanced Manufacturing & Mobility tätig. An zweiter Stelle der Neuzugänge rangieren Betriebe aus der Konsumgüterindustrie (26 Prozent).

„Die digitale Transformation ist voll in der weltweiten Elite der Familienunternehmen angekommen. Es zeigt sich deutlich, dass sowohl seit Jahren konstante als auch neue Mitglieder der Top-500 die Fühler Richtung neuer Technologien ausstrecken. Für Familienunternehmen ist es essenziell wichtig, den digitalen Prozess mitzubestimmen, statt ihn nur mitzuverfolgen. Für Familienkonzerne gilt es, neue technologische Möglichkeiten zu nutzen, um im digitalen Wandel Schritt zu halten“, so Lehner.

Walmart und VW führen Rangliste erneut an – sechs Vertreter mit Sitz in Österreich

Die USA stellen nach wie vor die meisten Unternehmen in den Top-10: Fünf Vertreter kommen aus den Vereinigten Staaten. Der Einzelhandelskonzern Walmart führt das Gesamtranking an. Deutschland stellt vier der Top-Ten-Unternehmen, Volkswagen platziert sich direkt hinter Walmart auf Rang 2. Auf Rang 3 liegt Berkshire Hathaway mit Hauptsitz in den USA.

Sechs österreichische Familienunternehmen schafften es 2019 unter die Top-500:

Die international tätige Holding BENTELER International AG mit Sitz der Konzernspitze in Salzburg belegt als bestplatziertes österreichisches Unternehmen Rang 187. Red Bull mit Hauptsitz in Fuschl am See, der Gaming-Technologiekonzern Novomatic mit Sitz in Gumpoldskirchen, das Bauunternehmen PORR aus Wien, Swarovski mit Sitz in Wattens und die ALPLA Privatstiftung mit Sitz in Hard sicherten sich ebenfalls einen Platz unter den 500 größten Familienunternehmen.

Zahl der Beschäftigten und Umsatz der Top-500 gestiegen

Die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten in familiengeführten Global Playern hat sich gegenüber 2017 leicht von gesamt 48.342 auf 48.920 erhöht (+ 0,6 Prozent). Die bereits 2017 in der Rangliste platzierten Unternehmen beschäftigen im Durchschnitt 51.304 Personen, neue Top-500 Firmen hingegen mit 25.382 Mitarbeitern etwa die Hälfte. Auch der Umsatz aller 500 größten Familienunternehmen ist gestiegen, von 13,62 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf rund 14,96 Milliarden US-Dollar in 2019.

Das Durchschnittsalter der Betriebe ist hingegen um fünf Monate gesunken – das durchschnittliche Familienunternehmen in den Top-500 besteht seit 79,9 Jahren. Dabei lässt sich ein Unterschied zwischen bereits bestehenden und neu hinzugekommenen Top-500 Firmen festmachen: 82 Jahre zählen die jahrelangen Top-500 Mitglieder, die Neueinsteiger sind im Durchschnitt 18 Jahre jünger.

Unternehmensführung stark männlich dominiert

Bei Unternehmen, die bereits im Index 2017 vertreten waren, entstammt mehr als ein Viertel (28 Prozent) des Managements der Familie, bei Neueinsteigern des Top-500-Rankings machen die Familienmitglieder hingegen nur ein knappes Fünftel (23 Prozent) aus. Fast vier Fünftel der Unternehmensführer stammen nicht aus der Familie, sondern wurden extern rekrutiert.

Die Konzernspitzen sind stark männlich dominiert: Nur drei Prozent der größten Familienunternehmen haben eine Frau als CEO, das sind 17 Unternehmen. Neun Frauen stammen aus der Familie, acht von außerhalb. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der CEOs des 2019-Index sind keine Familienmitglieder. Bei Neueinsteigern in diesem Jahr ist der Anteil mit 56 Prozent leicht höher.

„Familienunternehmen geben die oberste Firmenleitung offensichtlich nicht gerne aus der Hand und setzen stark auf Familienkapital als Wachstumstreiber. Dass mittlerweile immerhin fast schon jedes zweite Familienunternehmen von einem externen CEO geführt wird, steht aber gleichzeitig für eine gesteigerte Professionalisierung. Durch die familiäre Führung werden über Generation weitergegebene Werte vermittelt, während der Blick von außen Innovation und Fortschritt vorantreibt“, so Lehner abschließend.

Mehr Infos zu dieser Studie von EY finden Sie hier.

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