Rezension: „Personalcontrolling-Prozessmodell 2.0“

Die Autoren Dr. Rita Niedermayr vom Österreichischen Controller-Institut, Mag. Mirko Waniczek von EY Management Consulting und Prof. Dr. Silke Wickel-Kirsch von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden legen mit ihrer 2. Auflage ihrer rund 90 seitigen Broschüre „Personalcontrolling-Prozessmodell 2.0“ einen neuen Leitfaden für die Beschreibung und Gestaltung von Prozessen des Personalcontrollings vor. Die Autoren hatten sich für die vorliegende 2. Auflage das Ziel gesetzt, ihr Werk mit Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen des Personalcontrollings im HR-Bereich vollständig zu überarbeiten und eine State-of-the-Art-Vorlage für die in der Praxis tätigen Personalcontroller zu erstellen. Um ein erstes Fazit voranzustellen, die Autoren sind ihrer generellen Zielsetzung umfassend gerecht geworden.


Dies ist gelungen, in dem sie zunächst dem Aufgabenspektrum eines modernen Personalcontrollings mit ihrem „Prozessmodell 2.0“ eine „stilbildende“ Grundlage gegeben haben. Dabei wird im Rahmen des Prozessmodells 2.0 beschrieben, welche Prozesse Teil des Personalcontrollings sind. Das Modell baut auf einem hierarchischen Ansatz auf und beleuchtet Prozesse auf mehreren Ebenen. Das grundlegende ICG-Controlling-Prozessmodell 2.0 stand dabei Pate. Neu hinzugekommen ist das Thema „Analytics“ in den Personalcontrolling-Prozess. Insbesondere aus dem allgemeinen Bereich der „Business Analytics“ sollen auch hier Anleihen für das Personalcontrolling übernommen werden. Auch wenn in der betrieblichen Praxis das Thema „Analytics“ noch eher stiefmütterlich behandelt wird, ist es umso bedeutsamer, diese neuen Möglichkeiten, die insbesondere durch eine verbesserte IT-Unterstützung möglich werden, in das Leistungsportfolio eines modernen Personalcontrollings mit aufzunehmen. Die Hinweise, welche Systeme und Tools der Markt mittlerweile für das Personalcontrolling zur Verfügung stellt, sind dabei sehr hilfreich. Wenn etwas hinzuzufügen wäre, wünscht sich der Verfasser der Rezension noch den ein oder anderen Hinweis zu den Potenzialen hinsichtlich des Einsatzes von „Künstlicher Intelligenz (KI)“ und deren Potenziale im Rahmen von datengestützten Analytics-Anwendungen.

Der Buchaufbau folgt nach dem konzeptionellen methodischen Teil einer Beschreibung und Diskussion der wesentlichen Personalcontrolling-Prozesse, jeweils ergänzt um ein Praxisbeispiel. Dieser didaktische „Kniff“ bewahrt die Autoren vor dem Vorwurf, nur theoretische und praxisferne Vorschläge zu unterbreiten. Die Praxisbeispiele dienen also als Beleg für einen erfolgreichen Einsatz. Sie sind allesamt gut lesbar und können somit auch für den ein oder anderen Leser als „Blaupause“ dienen.

Personalcontrolling-Prozessmodell 2.0: Ein Leitfaden für die Beschreibung und Gestaltung von Prozessen des Personalcontrollings.

Personalcontrolling-Prozessmodell 2.0: Ein Leitfaden für die Beschreibung und Gestaltung von Prozessen des Personalcontrollings.

Die Personalcontrolling-Prozesse

Die einzelnen beschriebenen Personalcontrolling-Prozesse spannen den Bogen von der strategischen Personalplanung über eine operative Personalplanung bis hin zur Budgetierung und Personal Forcasting. Fortgesetzt werden die Erörterungen zu dem „Klassiker“ Personalkosten und Leistungsrechnung sowie dem Personalmanagement Reporting. Beim „Funktionscontrolling“ wurde das Personalbeschaffungscontrolling ausgewählt, welches trotz „Corona“ mit seinen grundsätzlichen Ansätzen und Fragestellungen auch in den nächsten Jahren nichts an seiner Aktualität verlieren wird: Die demografischen Lücken und der in bestimmten Bereichen weiterbestehende Fachkräftemangel bleiben erhalten.

Die Aufnahme von drei „Spezialthemen“ des Personalcontrollings verdienen eine besondere Hervorhebung. Es geht dabei um die personalwirtschaftliche Beratung, das Personalrisikocontrolling und das Personaldatenmanagement. Hier geben die drei sehr lesenswerten Praxisbeispiele einen gelungenen Einblick, was zu den vorgenannten Spezialthemen möglich ist. Hilfreich sind die am jeweiligen Ende der Praxisbeispiele nochmals explizit aufgelisteten Empfehlungen.

Insgesamt geben die 8 beschriebenen Personalcontrolling-Prozesse einen sehr guten Überblick über das, was ein modernes Personalcontrolling heute leisten kann und soll. Die zahlreichen Abbildungen, Grafiken, Tabellen und Ablaufdiagramme helfen sehr bei der Orientierung und lassen so eine konzentrierte Wissensaufnahme zu. Die Hinweise zur Weiterentwicklung der Methoden, Prozesse, Tools und Systeme runden das Kapitel ab und geben zahlreiche Hinweise zur weiteren Qualitätsverbesserung im Personalcontrolling.

Management von Personalcontrolling-Prozessen

Das 4. Kapitel unter der Überschrift „Management von Personalcontrolling-Prozessen“ beginnt mit der Darstellung eines „Controlling-Jahreskalenders“ und lässt weitere Beschreibungen, Erklärungen und Vorschläge zur Organisation des Managements von Personalcontrolling-Prozessen folgen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Leistungsmessung der Personalcontrolling-Prozesse und der Vorstellung einzelner, relevanter Keep-Performance Indikatoren (KPI´s). Es folgte eine Darstellung von Prozesskennzahlen am Beispiel Personalbeschaffung mit „echten“ Kennzahlen, die auch im Rahmen eines Benchmarkings Anwendung finden könnten.

Last but noch least findet sich im Abschnitt 5.4 das „Kompetenzmodell für Personalcontroller“, was insofern erwähnenswert ist, weil für das veränderte Rollenbild des Personalcontrollers, sei es als Berater des Managements, als Governance-Beauftragter oder als Data Scientist, die entsprechenden Kompetenzanforderungen beschrieben worden sind. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob sich solche Kompetenzanforderungen in den Stellenausschreibungen für die nächste Generation von Personalcontroller wiederfinden lassen.

Dem Controller Institut – quasi als Herausgeber – ist es über die drei Autoren gelungen, zahlreiche Aspekte der „Sektion Personalcontrolling“ aktuell und inhaltsstark aufzubereiten. Die Autoren, entweder direkt oder mittelbar als Trainer/Berater mit dem Controller Institut verbunden, haben mit der 2. Auflage ein für die Praxis sehr wertvolles Buch geschrieben, welches man allen Personalcontrollern oder auch Personalleitern nur wärmstens empfehlen kann. Auf knapp 100 Seiten führen die Autoren den Leser/Leserinnen umfassend, kenntnisreich und gut lesbar durch die moderne Welt des Personalcontrollings.


Buchtipp

Niedermayr | Waniczek | Wickel-Kirsch: Personalcontrolling-Prozessmodell 2.0
Ein Leitfaden für die Beschreibung und Gestaltung von Prozessen des Personalcontrollings | Linde Lehrbuch

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