Neues Environment, um Digitalisierung zu beschleunigen

Bei Borealis wurde 2017 beschlossen, die Digitalisierungs­bestrebungen des Unternehmens in einem Digital Studio zu bündeln. Dieses dient als Accelerator der digitalen Transformation von Borealis. Wir haben Anja Krusel, Vice President Group Controlling der Borealis AG, zum Digital Studio befragt.

Anja Krusel: Vice President Group Controlling, Borealis AG (© Borealis)

Anfang 2017 hat sich die Borealis dazu entschlossen, ein ­Programm zu starten, das sich ganz dem Thema Digitalisierung widmet. Dazu wurde in einem ersten Schritt konzernweit erhoben, in welchen Bereichen des Unternehmens die ­größten Potenziale liegen. Die Borealis betreibt große Produktionsanlagen, dort liegt auch das größte Potenzial, nämlich im Betrieb und in der Maintenance dieser Anlagen. Damit ist zunächst festgelegt worden, dass mithilfe von Predicitive Maintenance ein großer Teil dieser Kosten verringert werden kann. Auch im Bereich Marketing & Sales wurde an einem digitalen Weg gemeinsam mit den Kunden gearbeitet.

Insgesamt wurden fünf Prioritäten für Digitalisierung erarbeitet, die in einem ersten Schritt umgesetzt werden sollten.

Der Weg zum Digital Studio

Nachdem in einem ersten Schritt die Schwerpunkte der Digitalisierung beschlossen wurden, wurde in einem weiteren überlegt, wie das Ganze in der Praxis umsetzbar ist. Um den richtigen Fokus zu gewährleisten, wurde beschlossen, die relevanten Mitarbeiter für diese Projekte zu 100 Prozent freizustellen. Ganz zentral war der Gedanke, dass man, um den Digitalisierungsbestrebungen zu genügen, auch eine agile Arbeitsweise ermöglichen muss. Daher wurde beschlossen, in einem separaten Office und in Form einer Legal Entity ein eigenes, eigenständiges und wirklich anderes Arbeitsumfeld zu ­schaffen.

Nach Evaluierung einiger Standorte, u.a. auch der Hot-spots der Start-up-Szene, wie z.B. Berlin, hat man sich für Brüssel entschieden. Dabei hat u.a. auch die Nähe zu

Borealis-Standorten den Ausschlage gegeben. Im Mai wurde das Digital Studio am Brüsseler Flughafen eröffnet.

Klarer Demand aus dem Business

Doch wie organisiert sich das Digital Studio von Borealis? Zunächst muss ein klarer Demand direkt aus dem Business kommen. Dann setzen sich die handelnden Personen aus dem Business mit den Experten des Digital Studios zusammen und konzipieren eine Problemlösung. Ziel ist es, dass das Projekt so schlank aufgesetzt ist, dass man innerhalb von 100 Tagen eine Lösung entwickeln kann. Bei größeren Projekten werden Sub-Projekte implementiert, um die straffe Timeline einhalten zu können.

Danach werden die Projekte gestrafft. Dabei werden die Mitarbeiter aus dem Digital Studio und aus dem Business dem Projekt zugewiesen. Für die Dauer des Projekts werden die Mitarbeiter aus dem Business in das Digital Studio entsendet, um dort gemeinsam mit den Data Scientists und Software-Designern direkt an der Lösung zu arbeiten. Die Arbeitsweise im Digital Studio ist so agil gestaltet und orientiert sich an der Start-up-Kultur. Hier versucht Borealis ganz bewusst, die klassischen Projektstrukturen zu durchbrechen und die Projektteams nicht mit Komitees und Budgets zu verlangsamen.

Fail Cheap, Fail Fast

Auf dem Weg von Projekten des Business ins Digital Studio kommt es zu keiner langfristigen Planung, sondern die Ideen sollen relativ kurzfristig umgesetzt werden können. Der Leitgedanke „Fail Cheap, Fail Fast“ gilt im laufenden Betrieb des Digital Studios. Während zahlreiche Inputs direkt aus dem ­Business kommen sollen, werden in regelmäßigen Abständen auf Konzernebene über verschiedene Funktionen hinweg Inspirational Days organisiert. Dazu werden die Mitarbeiter des Digital Studios ebenso wie einige externe Start-ups und Speaker eingeladen, um neue Ideen zu generieren. Hier werden nicht alle Ideen direkt ins Digital Studio übernommen, sondern wird zunächst überprüft, ob sie auch im Business umsetzbar sind. Insgesamt gibt es bei

Borealis drei Stufen von Digitalisierungsprojekten.

1. Projekte, die man im Business mit Verbesserungen und Automatisierung umsetzen kann,
2. Projekte, die einen Step Change bringen und
3. einen Bereich, bei dem es um disruptive Modelle geht, die zu neuen Business-Modellen werden können. Alle Projekte aus dem dritten Bereich werden im Digital Studio umgesetzt, während das Process Improvement nach wie vor direkt im Business stattfindet.

Digitalisierung im Finanzbereich

Im Finanzbereich fokussiert Borealis derzeit auf das Thema Robotics Process Automation. Die ersten Piloten werden gerade gestartet. In diesem Fall werden diese Digitalisierungsprojekte direkt aus dem Business gesteuert und umgesetzt, allerdings stets in Abstimmung mit dem Digital Studio. Ein weiteres Thema ist Predictive Analytics im Bereich der Planung. Größere Projekte im Bereich der Automatisierung, beispielsweise das Expense Management, sollen künftig in Kooperation mit dem Digital Studio abgewickelt werden. Zusammenfassend: Das Digital Studio und die Digitalisierungsprojekte bei Borealis werden einen großen Impact haben – auch auf die Finanzfunktion.

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