Nachlese: 5. CFOaktuell Jahrestagung | Green, smart, digital- Die neue Roadmap für CFOs

Am 9. November war es wieder soweit und das Controller Institut lud gemeinsam mit Linde Campus zum bereits 5. Mal zur CFOaktuell Jahrestagung ein. Ein spannendes Programm stand auf der Agenda: die grüne Transformation, die Transformation der Arbeitswelt und die digitale Transformation. Knapp 150 Teilnehmer:innen folgten der Einladung unserer fachlichen Leiterin des Kongresses und Geschäftsführerin des Controller Instituts Rita Niedermayr. Die Jahrestagung fand heuer als hybride Konferenz statt.

Gleich zu Beginn begrüßte Rita Niedermayr die zahlreichen Teilnehmer:innen live und vor Ort mit den Worten, dass den Unternehmen die fundamentalsten Änderungen seit der industriellen Revolution bevorstünden. Die grüne Transformation wird durch EU-Vorgaben – wie EU-Taxonomie oder Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – zwangsläufig beschleunigt. Doch auch der Druck aus dem Kapitalmarkt nimmt zu. Etwa durch institutionelle Anleger wie Larry Fink und BlackRock und deren Forderung nach ESG-konformen Änderungen, sind die Unternehmen zusehends unter Druck, Nachhaltigkeit in ihrer Strategie zu verankern.

Die Transformation der Arbeitswelt hat sich einerseits durch die Covid-19-Pandemie beschleunigt. Doch schon davor waren die Unternehmen einem Druck durch die Arbeitnehmer ausgesetzt. Gerade die CFO-Organisation muss sich daher mit den Themen New Leadership, Agilität und Flexibilität auseinandersetzen.

Die dritte große Transformation ist die Digitalisierung. Diese ist bereits seit längerem im Gange, aber noch lange nicht abgeschlossen. Themen wie SAP S/4 HANA, Automatisierung oder AI werden auch weiterhin die CFO-Agenden beherrschen.

Sustainability goes Finance – Neue Perspektiven für die CFO-Agenda

Stefan Uher (EY Österreich) sprach in der Eröffnungskeynote über „Die grüne Transformation als Gamechanger und Werttreiber“. Aus seiner Sicht ist der wesentliche Treiber der grünen Transformation der Klimawandel. Diese ernste Situation hat einen konkreten Einfluss auf die Unternehmen, ebenso wie die Regulatorik. Die Sustainability Vorgaben der EU sind aus der Sicht von Stefan Uher in dieser Zeitschiene praktisch nicht umsetzbar. Unternehmen und die CFO-Organisation sollten mit dem Thema besser früher als später starten. Denn Änderungen müssen umgesetzt werden, Rollen, Aufgaben und Profile der CFO-Organisation ändern sich, gewissen Reporting-Anforderungen müssen in ERP-Systemen umgesetzt werden und der Bericht muss mit samt den nicht-finanziellen Kennzahlen künftig auch geprüft werden. Damit müssen sich Unternehmen, auch in Hinblick ihrer Mitarbeiter, deutlich anders aufstellen. Er meinte, dass die CFO-Organisation vor großen Herausforderungen steht. Sie muss auch Schnittstellen im Unternehmen finden, etwa die Strategieabteilung oder die Produktion.

Panel-Gespräch: CFOs als Treiber für die grüne Transformation

Im Anschluss bat Rita Niedermayr neben Stefan Uher auch Christian Plas (Geschäftsführer | denkstatt), Markus Fürst (Geschäftsführer | B&C Industrieholding) und Adolf Scheuchenpflug  (CFO | Swietelsky) aufs Podium, um über den CFO als Treiber der grünen Transformation zu diskutieren. Christian Plas hat schon vor über 20 Jahren die Nachhaltigkeitsberatung denkstatt gegründet und sagte in seinem Eröffnungsstatement, dass es ebenso lange und länger schon einen gewissen Druck auf die Unternehmen gibt, doch durch Regulatorien und Gesellschaft wird dieser nun massiv verstärkt. Als Beispiel nannte er etwa das 20 Jahre alte CDP (Carbon Disclosure Project). Adolf Swietelsky berichtete von seiner Funktion als CFO eines großen Baukonzerns und wie er als Treiber der Nachhaltigkeitsberichterstattung in seinem Unternehmen vorgegangen ist. Dieses Best-Practice-Beispiel hat gut veranschaulicht, wo noch Handlungsbedarfe zu finden sind, weil es etwa keine validen Daten im Unternehmen gibt oder Kennzahlen noch nicht definiert sind. Doch Scheuchenpflug ist sich sicher, dass man gerade in der Baubranche massiv Transparenz schaffen und Nachhaltigkeit auch ein Treiber des Unternehmensgewinns sein kann, Stichwort: Circular Economy. Markus Fürst ist als Geschäftsführer der B&C Holding einerseits in der Rolle des Treibers im Management, andererseits hat er aber auch ein Aufsichtsratsmandat bei Lenzing. Diese Doppelfunktion bietet nochmals einen breiteren Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, das bei B&C von extremer Wichtigkeit ist. Denn die B&C Group investiert traditionell nur langfristig in Unternehmen. Er meinte, Nachhaltigkeit als wesentlicher Eckpfeiler in der Unternehmensstrategie trägt auch zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen bei.

In ihren Abschlussworten waren sich die vier Herren einig, dass am wichtigsten für den CFO und sein Team ist: Act now! Die Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit ist unumgänglich, nicht nur aus regulatorischen Gründen.

Geschwindigkeit, Transparenz und Digitalisierung

Im ersten parallelen Forum stand die digitale Transformation im Zentrum. Unter dem Motto Finance Transformation war Peter Schentler (Horváth) Moderator in der Frage: Warum Geschwindigkeit, Transparenz und Digitalisierung die Hebel für eine erfolgreiche Finanz-Transformation sind? Die Entwicklung und Implementierung eines neuen CFO Operating Model ist ein Enabler und Beschleuniger der Transformation und des nachhaltigen Wachstums. Stefan Leber (Horváth) und Harald Wallner (neveon) boten in ihrem Vortrag einen Einblick, warum CFO-Transformation ganzheitlich gedacht, entwickelt und umgesetzt werden muss. Im Anschluss an die Keynote diskutierten alle drei nochmals ausgiebig zur Fragestellung.

Von der finanziellen zur integrierten Berichterstattung

Im zweiten Forum stand Dauerbrenner SAP S/4 Hana im Fokus. Christian Polivka (SAP SE) sprach über die Umstellung von der finanziellen zur integrierten Berichterstattung im internationalen Projektgeschäft und über die Verbindung beider Welten. Peter Skerlan (Frequentis) erzählte von der Umstellung der Berichterstattung bei Frequentis. Diese ist über eine Single Source of Truth und ein SAP-Projekt gelungen.

Diese beiden Herren diskutierten in der abschließenden Panel-Diskussion unter der Moderation von Reinhard Taucher (SAP Österreich), wie es CFOs gelingt, neue Anforderungen in die Unternehmenssteuerung und ins Reporting zu integrieren.

Lunch & Talk als interaktives Mittagessen

Ein interaktives Mittags-Talk-Format war einer der Höhepunkte auf der CFOaktuell Jahrestagung. Die Teilnehmer wurden eingeladen, zum moderierten Erfahrungsaustausch an sieben Thementischen zu ausgewählten Fragestellungen der aktuellen CFO-Agenda Platz zu nehmen. Dieses neue und innovative Format bot den Teilnehmer:innen die Gelegenheit, sich noch fokussierte zu „ihren“ Themen mit Experten und Peers auszutauschen.

Future of Work

Am Nachmittag ging es mit spannenden parallelen Foren weiter. Ob bewusst oder  unbewusst: CFOs sind zentrale Work Smart Taktgeber, ist die Hypothese von Sonja Strohmer (Smart Work Austria). Sie stellte ins Zentrum ihrer Keynote folgende drei Fragen:

  1. Work Smart Reifegrad – Wie CFOs den Work Smart Reifegrad im Unternehmen prägen
  2. Work Smart Kulturreise – Weshalb gerade CFOs das Tempo der Work Smart Kulturreise bestimmen
  3. Work Smart Enablement – Wie CFOs ihre zentrale Rolle nutzen und Work Smart Enabler werden

Die CFOs haben laut Strohmer eine ganz zentrale Funktion in der Work Smart Journey ihres Unternehmens. Neben flexiblen Arbeitsplätzen bedeutet das auch eine offene Fehlerkultur, New Leadership und eine neue Wissensteilungskultur.

An der anschließenden Diskussion beteiligte sich neben Sonja Strohmer und Rita Niedermayr noch REWE-CFO Christoph Matschke. Er teilte seine Erfahrungen zum Thema New Work aus seinem Vorstandsressort bei REWE Österreich. Neben seinen CFO-Agenden ist Matschke auch für den HR-Bereich verantwortlich und zeigte zukunftsweisend, wie Smart Work funktionieren kann.

Making Information faster

Ein weiteres Forum, das sich mit dem Thema der Digitalisierung auseinandersetzte, war das Forum 4: Digitalisierung im Finanzbereich. Michael Kalaus (KYOCERA Austria) und Thomas Brandmayr (abatec) präsentierten ihre Erfahrungen aus dem gemeinsamen Projekt und diskutierten im Anschluss mit Beatrix Forsthuber (KYOCERA Austria) darüber, ob der Finanzbereich digitaler Vorreiter ist oder ob noch Luft nach oben besteht?

Neue Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sustainable Governance

Gerhard Wolf (KPMG) moderierte Forum 5 zum Thema Nachhaltigkeit. In der Keynote von Katharina Schönauer (KPMG) und Daniel-Sebastian Mühlbach (Österreichische Post) ging es um einen 360-Grad-Rundblick zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die beiden präsentierten ihre jeweilige Sicht auf die kommenden Änderungen durch EU-Taxonomie und CSRD – einmal aus Prüfersicht und einmal aus Unternehmenssicht. Eine besonders spannende Podiumsdiskussion gab es im Anschluss, da sich Gerhard Wolf neben Schönauer und Mühlbach noch der Investor-Relations-Chef der Post, Harald Hagenauer, und Johanna Feuerstein (Leitung Controlling | ÖBAG) anschlossen, die einmal den Blick des Unternehmens und der Belange der Investoren und einmal die Sichtweise des Aufsichtsrats auf diese neuen Sustainability-Themen darstellten.

Hält die Digitalisierung im CFO-Bereich ihr Versprechen?

Im letzten Forum ging es um die Digitalisierung von Abschluss- und Reportingprozessen. Peter Schentler (Horváth), Andreas Übl und Thomas Werk (beide Mayr-Melnhof Karton) sprachen über die Einführung einer integrierten und modularen Konsolidierungs-, Reporting- und Planungslösung bei Mayr-Melnhof Karton. Sie präsentierten auch eine Roadmap zur Digitalisierung des CFO-Bereichs und das Konzept einer integrierten Legal- und Management-Konsolidierung und Reporting. Abschluss der Runde war wieder eine Diskussion, diesmal unter der Moderation von Harald Lakatha (pmOne).

The Purpose Driven CFO

Organisation geht nur mit Sinn, sagte Franziska Fink (Beratergruppe Neuwaldegg) in ihrer Schluss-Keynote gemeinsam mit Christian Kreuzer (Controller Institut). Im Fokus der interaktiven Schluss-Session stand die Frage nach dem Warum ganz im Zentrum. Denn auch der CFO braucht einen Sinn in seinem Handeln. Wie unterschiedlich ausgeprägt dieser Purpose bei den Vertreter:innen der anwesenden Unternehmen sein kann, bewies das „Menschenbarometer“ am Schluss. Während einige Teilnehmer, etwa aus der Immobilienbranche, wenig bis keinen Purpose für ihr Unternehmen kennen, sehen sich andere als Vertreter rein Purpose-getriebener Unternehmen, etwa Universitäten oder NPOs.

Damit ging eine spannende fünfte Runde der CFOaktuell Jahrestagung zu Ende. Wir danken allen Teilnehmer:innen, Partner:innen und Sponsoren für ihr Mitwirken.


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Merken Sie sich jetzt schon den 16. November 2022 für die 6. CFOaktuell Jahrestagung vor!


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