Nachlese: 40. Controllertag | Forever Young

Vor Ort im Austria Trend Hotel Savoyen Vienna und virtuell trafen sich am 22. & 23. September zahlreiche Fach- und Führungskräfte aus Controlling, Finance und Management beim 40. Österreichischen Controllertag. „FOREVER YOUNG – Controlling konsequent erneuern“ war das Motto der Stunde und zeigte, in Anbetracht der aktuellen Situation, die entscheidende Bedeutung der Controllingfunktion für Unternehmen.


Der Jubiläums-Controllertag spaltete die Teilnehmer – in diesem Fall war das jedoch eine gute Sache: Nachdem der 40. Controllertag aufgrund der Corona-Pandemie im März nicht stattfinden konnte, suchte das Kongress-Team des Controller Instituts einen neuen Termin. Dieser war schnell gefunden und alles Nötige wurde in die Wege geleitet. Aber die Veranstaltungslandschaft hat sich grundlegend verändert: Daher transformierte das Team den Traditionskongress der Controller-Community in ein hybrides Veranstaltungskonzept. Allen Teilnehmenden, die vor Ort dabei sein wollten, wurde die Möglichkeit geboten und diejenigen, denen es nicht möglich war, konnten sich im Live-Stream dazuschalten und dennoch aktiv mitwirken.

Mirko Waniczek (Associate Partner | EY Management Consulting) wies bereits bei der Eröffnung der Jubiläumskonferenz auf ihre besondere Bedeutung hin: Dieser 40. Controllertag beschreibt, neben dem neuen digitalen Angebot, zudem einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Veranstaltung: Denn Werner H. Hoffmann (Vorstand Institut für Strategisches Management | WU), der jahrelang den Controllertag begleitet hatte, gab seinen Rückzug als wissenschaftlicher Leiter bekannt und stellte die neue Kongressleiterin Isabella Grabner (Institut für Unternehmensführung | WU) vor: „Mir ist bewusst, dass ich in große Fußstapfen trete, aber ich freue mich auf die neuen Aufgaben und die kommenden Konferenzen.“

Controlling-Panel 2020: Flexibilisierung der Controlling-Organisation

Der Studie liegen sieben Hebel zur Leistungssteigerung zugrunde, die von den Befragten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowohl hinsichtlich ihrer Relevanz als auch ihrer aktuellen Verwendung im Controlling beurteilt wurden. Ein zentrales Studienergebnis beschreibt eine notwendige Flexibilisierung der Organisation: Insgesamt 98 Prozent der Befragten sehen darin Relevanz für das Controlling. 70 Prozent stimmen voll zu, dass es einer größeren Flexibilisierung im Controlling bedarf, um den immer dynamischer werdenden Anforderungen gerecht zu werden. Waniczek: „Ein gleichmäßig hohes Zustimmungsbild zeichnet sich auch branchen- und größenübergreifend ab und bestätigt die Annahme, dass nach einer Welle, primär auf technologische Innovation ausgerichteter Maßnahmen, jetzt wieder der Faktor Mensch in den Mittelpunkt rückt.“ Weitere Insights zur Studie finden Sie hier.

Nach diesem kurzen Schlaglicht auf die Ergebnisse des Controlling-Panels starteten Franz Kühmayer (Trendforscher | REFLECTIONS Research & Consulting) und Carlo Crosetto (CFO | Wienerberger) in die Plenarvorträge des 40. Controllertags.

Future fit in unsicheren Zeiten

„Unsere Zukunft wird immer mit Disruption zu tun haben“, stellte Franz Kühmayer schon zu Beginn seines Vortrags klar. „Die Frage ist, wie mache ich nach einer Krise, wie zum Beispiel der Corona-Pandemie, weiter?“ Denn Krisen bringen grundsätzlichen, substanziellen Wandel mit sich. Dabei ist es seiner Meinung nach falsch zu glauben, dass es nach einer extremen, einschneidenden Veränderung einmal bergauf und dann wieder bergab geht. Er schlug ein Zyklenmodell vor, in dem man nach einer Krise an einen Punkt kommt, an dem man sich entscheiden kann: Will man versuchen, in den bekannten Zustand zurückzukommen? Oder entscheidet man sich, die Disruption zu nutzen und das „new normal“ weiterzutreiben? Kühmayer: „Das bedeutet, ich muss was lernen, ich muss Innovationen vorantreiben, Dinge ausprobieren und Prototyping machen.“ Wenn man diesen Gedanken weiterverfolgt, wirft das weitere Fragen auf. Eine davon: „Wozu gibts mich? Und womit werde ich mich in zehn Jahren beschäftigen? Wie bleibe ich future fit?“ In vielen Berufsbildern spielt daher auch die Automatisierung eine wichtige Rolle. Denn das sei, laut Kühmayer, unbestritten: Es wird sehr viele Prozesse geben, die von Maschinen wesentlich effizienter erledigt werden können. Hiermit ist die Aufgabe für den Menschen klar: Er muss die Berufung für sich finden, in der er wirkmächtig agieren kann. Denn, so der Experte: „Wenn Maschinen bessere Maschinen werden, müssen Menschen bessere Menschen werden.“

Im Anschluss daran zeichnete Carlo Crosetto die bewegte Geschichte von 200 Jahren Wienerberger nach – und stimmte damit seinem Vorredner zu: Krisen hat es schon immer gegeben. In seinem Zusammenhang verdeutlichte er, dass eine starke Finanzfunktion der ausschlaggebende Hebel für eine positive Unternehmensentwicklung ist. „Es ist entscheidend, dass die Finanzfunktion gerade in Zeiten wie diesen als Anker gesehen wird und sie das Unternehmen mit den richtigen Antworten unterstützt.“ Im Folgenden ging der CFO genauer auf den Transformationsprozess ein, den der Finanzbereich momentan erfährt und nannte einige zentrale Trends (Big Data, Internet of Things (IoT), den 3-D Druck, Value driven Analytics, Robotics/AI, Cloud/Mobile Apps, Cyber-Sicherheit und Blockchain), die das Bild der Organisation weiter formen werden. Diese Trends machen andere Personalressourcen innerhalb des Finanzbereichs notwendig. Zu der traditionellen Klientel müssen sich daher Robotics/Analytics Spezialisten, Data Scientists, Business Advisors, Verhaltensforscher und Statistiker dazugesellen. Crosetto: „Die zentrale Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist: Wo schaffen wir Mehrwert? Denn wir wollen nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, wir wollen das Business shapen.“

Am Ende seines Vortrags fasst er vier Punkte zusammen, die aus seiner Sicht entscheidend für die Zukunft der Finanzfunktion sind:

  1. Das Geschäft muss resilienter werden. Für eine erfolgreiche Zukunft braucht es eine nachhaltige Planung in allen Bereichen.
  2. Prioritäten setzen: Die Finanzorganisation muss sich jetzt mit den wesentlichen Dingen beschäftigen, damit das Business weiterhin profitabel wächst.
  3. Es heißt nicht Kosten vs. Innovation: Es ist notwendig, eine effiziente Organisation aufzustellen, um wertvolle Ressourcen für die Zukunft zu schaffen.
  4. Eine neue Kultur etablieren, in der der Mehrwert im Fokus steht. Die Mitarbeiter müssen über das Mindset verfügen, dass sie das Unternehmen weiter nach vorne bringen.
© Controller Institut | APA | Ludwig Schedl
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© Controller Institut

Best-Practice-Berichte und Round Table-Gespräche

„Die entscheidende Aufgabestellung des Controllertags ist es, Ihnen die Aspekte näher zu bringen, die für Sie von besonderer Relevanz sind“, fasste Waniczek zusammen. Um allen Themen entsprechend gerecht zu werden, hat man sich auch im hybriden Kontext wieder für unterschiedliche Vortragsformate entschieden. An beiden Tagen wurden neben den Plenarvorträgen auch wieder parallele Foren abgehalten, die unterschiedliche Schwerpunkte verfolgten. Forum A behandelte, unter dem Schlagwort IMPACT, Themen wie Organisationsentwicklung, Rollen und Change im weitesten Sinne. Forum B, EXCELLENCE, widmete sich der Weiterentwicklung der althergebrachten Controlling-Kernprozesse. Und Forum C, mit dem sprechenden Namen INNOVATIONS, veranschaulichte innovative Neuansätze unterschiedlicher Unternehmen. Außerdem erwartete die Teilnehmer an Tag zwei ein weiteres Forum D, das CONTROLLING-TOOLS & -APPS genauer unter die Lupe nahm.

Den fachlichen Höhepunkt am ersten Kongresstag bildeten jedoch zwei Round-Table-Gespräche. Unter der Leitung von Isabella Grabner stellten Christina Gaupp (Vormals Leiterin der Finance Academy | Hilti Gruppe) und Alexandra Eichberger (Vice President Change & HR Excellence | Magenta Telekom) unter dem Aspekt des Zusammenspiels von Finance und HR interessante Cases vor, mit anschließender Diskussion. Zeitgleich versammelte Mirko Waniczek die Diskutanten Andreas Lassl (Geschäftsführer | VERBUND Services GmbH) und Georg Droschl (Head of Artificial Intelligence | pmOne GmbH), um einen Blick auf realistische Perspektiven und innovative Technologien in der Finanzfunktion zu werfen und eine Antwort auf folgende Frage zu finden: Wie innovativ ist die Finanzfunktion wirklich?. Das Programm beider Tage im Detail finden Sie hier.

Die Controlling Night – Networking mit Abstand

„Eigentlich wollten wir nur das Controlling erneuern, haben nun aber die letzten Monate genutzt, um auch gleich den gesamten Kongress zu digitalisieren“, schmunzelte Rita Niedermayr (Geschäftsführerin | Österreichisches Controller-Institut) bei ihrer Begrüßung zur Abendveranstaltung. Bevor Bernhard Baumgartner den Teilnehmenden mit seinem Programm „Humorcontrolling“ unter anderem unter den Schlagworten „von VUKA zu WUKI“ den Abend versüßte, wurde traditionell der Award „Excellence in Financial Leadership Research“ für die beste Masterthesis des Masterprogramms „Strategy, Innovation und Management Control“ der WU verliehen. Die Vertreter des CFO-Club Austria Walter Oblin (Österreichische Post AG), Gerhard Marterbauer (Deloitte) und Michale Längle (RAG Austria AG) stellten sich an diesem Abend wahrer Frauenpower. Die drei Gewinnerinnen Bettina Spiegel (3. Platz), Corinne Baumgartner (2. Platz) und Sophie Atzenhofer (1. Platz) waren sichtlich stolz über die Auszeichnungen.

Aufgrund der aktuellen Verordnung der Regierung wurde im Anschluss an das Abendprogramm ein Abendessen im Hotelrestaurant serviert, das alle Teilnehmenden sichtlich genossen.

„Always delivering amazing experience“

An Tag zwei starteten Isabella Grabner und Mirko Waniczek gut gelaunt in den Tag. Nach weiteren spannenden, parallelen Foren durfte Emmanuel Thomassin (CFO | Delivery Hero) als letzter fachlicher Input des diesjährigen Controllertags die Veranstaltung beenden. In seinem Vortrag zeichnete er die Unternehmensgeschichte vom Lieferheld zum Delivery Hero, vom Markplatz zum „Quick Commerce“ nach, und strich neben den Challenges eines schnell wachsenden Unternehmens zudem die Highlights des zweiten Quartals 2020 heraus: starkes Wachstum, trotz COVID-19 eine sich verbessernde EBIDA-Marge und ein starker Markt in Asien. Um dieses Wachstum weiterhin zu stärken will das Unternehmen mit Ende des Jahres eine Partnerschaft mit der koreanischen Takeout App „Woowa“ eingehen. Eine der größten Herausforderungen des Wachstums für die Finanzorganisation ist, so verdeutlichte Thomassin, die Gleichschaltung der unterschiedlichen Finanzsysteme. Bereits vor Jahren ging man dieses Problem an und suchte unter vielen Anbietern ein System, das den umfangreichen Ansprüchen von Delivery Hero gerecht werden kann. Die Wahl fiel auf SAP S/4 Hana – bis 2022 will man den gesamten Konzern komplett auf SAP gesynct haben. Ihre Vision: „Automated processes that cover complete enterprise backoffice in one system.”

Zusammenfassung: From Bricks to Clicks

Am Ende der Konferenz fassten Isabella Grabner und Mirko Waniczek die zentralen Erkenntnisse des Jubiläumskongresses zusammen: „Wir haben ‚from Bricks to Clicks‘ wieder einmal einen sehr weiten Bogen gespannt“, waren sich beide sicher: von Wienerberger zu Delivery Hero – viele interessante Unternehmen gaben Einblicke in die Entwicklung des Finanzbereichs. Faktum ist: Es ist eine neue Dynamik spürbar, denn es werden immer wieder neue Herausforderungen an die Finanzorganisation gestellt. Vier Kernaussagen, die im Zuge des Controllertags immer offensichtlicher wurden, fassten Grabner und Waniczek zusammen:

  1. Der Sinn und Wertbeitrag der einzelnen Personen und der gesamten Organisation werden immer wichtiger.
  2. Es zeigt sich immer mehr: Der Faktor Mensch steht im Mittelpunkt der Finanzfunktion.
  3. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit wächst auch im Finanzbereich.
  4. Agilität: Um die digitale Transformation und Krisen gut zu überstehen, braucht es agile und zielgerichtete Managementstrukturen.

„Es sind nach wie vor viele Gestaltungsmöglichkeiten in der Finanzorganisation gegeben. Der Beitrag des Controllings ist damit relevanter denn je“, fasste Waniczek zusammen. „Womit wir uns jedoch anfreunden müssen, ist das ‚new normal‘. Aber so bleiben wir zumindest forever young“

Freuen Sie sich schon auf den 41. Controllertag – der kommt schneller als Sie denken! Save the date: 11. & 12. März 2021.


Wir blicken zurück auf 40. Jahre Controllertag – Film ab!


Weiterbildungstipps:

Certified Controller | Das Controlling-Gütesiegel für Kompetenz und Professionalität
Wann? Start am 05.10.2020 | Wo? roomz Vienna Prater, 1020 Wien, Rothschilplatz 2 | Info und Anmeldung

Certified Business Data Scientist | Wettbewerbsvorteile mit Big Data, Advanced Analytics und Machine Learning
Wann? Start am 13.10.2020 | Wo? Munich Business School, 80678 München, Elsenheimerstr. 61 | Info und Anmeldung

Certified Digital Leader | Die digitale Transformation aktiv gestalten
Wann? Start am 12.02.2021 | Wo? Munich Business School, 80678 München, Elsenheimerstr. 61 | Info und Anmeldung

Certified HR-Controller | Human Resources transparent steuern und erfolgreich einsetzen
Wann? Start am 01.03.2021 | Wo? Munich Business School, 80678 München, Elsenheimerstr. 61 | Info und Anmeldung

Certified Reporting Professional | Steigern Sie die Effektivität und Effizienz Ihres Berichtswesens
Wann? Start am 02.03.2021 | Wo? roomz Vienna Prater, 1020 Wien, Rothschilplatz 2 | Info und Anmeldung


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