Nachlese: 25. Jahre NPO-Kongress | Zukunft aktiv gestalten

Der NPO-Kongress feierte mit zahlreichen aktuellen Themen und hochinteressanten Vorträgen sein 25. Jahr-Jubiläum. Das Motto „ZUKUNFT AKTIV GESTALTEN“ lockte rund 200 Fach- und Führungskräfte aus Non-Profit-Organisationen, Sozialunternehmen, Social Entrepreneurships und der öffentlichen Verwaltung in den Schönbrunner Apothekertrakt. Zentral beschäftigte man sich mit der Frage, wie der öffentliche Sektor der digitalen Transformation entgegentreten und diese aktiv für sich nutzen können.


„Die Zukunft ist nicht prognostizierbar, aber sie ist gestaltbar“, sagte Peter F. Drucker schon in den 1980er Jahren. Mit diesen Worten eröffnete Christian Horak (Fachlicher Leiter des Kongresses | Contrast EY Management Consulting) den 25. NPO-Kongress. Obwohl damals weder Digitalisierung noch Predictiv Analytics zu erahnen waren, zeichnen sich in dieser Aussage bereits erste Tendenzen ab. Machten sich die vergangenen Kongresse noch Gedanken darüber, was die Digitalisierung eigentlich sei, müsse man aktuell fragen: Wie gehen wir mit der digitalen Transformation um? Und: „Wie kommen wir weiter?“, fragte Horak am Ende seiner Begrüßung.

„NPOs werden endlich als Wirtschaftsfaktor begriffen“

Christoph Badelt (Leiter | Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung | WU) gab in seinem Vortrag „NPOs – quo vadis?“ einen Überblick über die Geschichte des Non-Profit-Sektors. Dabei stellte er folgende Thesen auf: „Die nächsten 40 Jahre werden hinsichtlich der ökonomischen Rolle der NPOs ruhiger verlaufen, als die Letzten.“ Gerade für NPOs war es ein langer Weg auch im betriebswirtschaftlichen Sinne als relevant angesehen zu werden. Daraus schlussfolgerte er dennoch: „Es ist denkbar, dass das gesellschaftliche Umfeld Herausforderungen an NPOs richtet, die heute noch schwer vorstellbar sind.“ Gerade Themen wie Digitalisierung, steigender Kostendruck und Personalmanagement müssen für NPOs spezifisch geklärt werden. So glaubt er auch, dass die Schere zwischen den wachsenden Bedürfnissen und Ansprüchen, und die Forderungen nach Einsparungen im öffentlichen Sektor immer größer werden könnte. Und dass NPOs zunehmend in das Zentrum politischer Konflikte hineingezogen werden und damit gegen ihren Willen verpolitisiert würden.

Shared Leadership for more Impact

Marie Ringler (Leader | Ashoka Europa) brachte anhand von Praxisbeispielen spannende, neue Ideen aus dem Bereich der Sozialunternehmen ein. Ein besonders interessanter Themenblock beschäftigte sich mit der Entwicklung einer neuen Führung, die vor allem Rollen innerhalb einer Organisation neu denkt. Im Zentrum stehen dabei Empathie, Leadership und Teamwork, welche ermöglichen sollen, dass ein Unternehmen kooperativ handelt, Gemeinsamkeiten hervorhebt und letztendlich verantwortungsvolles Führen zum Prinzip macht. Die Basis dabei ist Vertrauen, wodurch Arbeiten in Allianzen möglich wird. Sie betonte: „Jeder führt. Jeder ist mitverantwortlich.“

Der Staat als Plattform

„Wir leben in einer veränderten Gesellschaft, die sich von Face-to-Face in einen Nationalstaat transformiert und sich nun zu einer globalen Gesellschaft entwickelt hat“, erklärte RobertKrimmer (Professor für e-Governance | Technische Universität Tallinn) in seinem Vortrag. Er verdeutlichte die Vorteile, wenn sich der Staat auch als Serviceanbieter verstehen und so einen besseren Austausch mit seinen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen würde. Als Beispiel diente seine Wahlheimat Estland die im Bereich E Governance immer wieder Benchmarks setzt. Unumgänglich sind dabei Big Data, E-Services und agile Entwicklungen. Krimmer erklärte, wie Daten zum Rohstoff für künftige Dienstleistung in Form einer neuen Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und eben auch Non-Profit-Organisation werden können.

Im Video gibt er einen kurzen Einblick: 

Digitale Transformation – Was bedeutet das?

Die zweite Session, noch vor der Mittagspause drehte sich um Best-Practice-Beispiele im Zuge der digitalen Transformation. Zunächst sprach Johannes Hack (Partner | etventure GmbH) über die Möglichkeit mithilfe von Start-up-Methoden neue digitale Geschäftsmodelle zu erschließen. Im Anschluss erzählte Werner Leodolter (Universitätsprofessor für angewandte Unternehmensführung im Gesundheitswesen | Universität Graz, CIO | Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H.) über die Psychologie des Entscheidens in einer digital transformierten Organisation. Außerdem gab er Einblicke in die Datenverarbeitung im Bereich einer Krankenanstalt.

Welche Zukunft hat das Controlling

Mirko Waniczek (Executive Director | Contrast EY Management Consulting) beschrieb in seinem Vortrag „Winning Digital im Controlling” unter anderem wie sich das Controlling im Zuge der digitalen Transformation weiterentwickeln kann und muss. Dabei wird der Controlling-Regelkreis durch innovative Technologien immer leistungsfähiger und führt so zu einer nachhaltigen Wertsteigerung des Unternehmens. Danach verdeutliche Marco M. Rosenberger (Controlling | Barmherzige Brüder Salzburg) wie große Datenmengen dabei helfen können, den Gesundheitszustand der Patienten zu verbessern. Ein besonderes Highlight war der Vortrag von Sarah Spiekermann (Institutsleiterin | Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik, WU). Sie sprach über Pro und Contra der Digitalisierung und warnte: „Mangelnde Vollständigkeit und fehlende Singularität sollte bei den Einsatzbereichen von IT sorgfältig erwogen werden.“

Wie sichern wir notwendige Ressourcen?

Am Nachmittag sprach Reinhard Millner (Senior Researcher | Social Entrepreneurship Center, WU) über wirkungsorientiertes Investieren und Finanzieren. Im Fokus dabei standen die Möglichkeiten des Impact Investings, der Social Impact Bonds und des Crowdfundings. Thomas Grechenig (CEO | Research Industrial Systems Engineering RISE) verdeutlichte anhand von Praxisbeispielen den kritischen Pfad an Ressourcen für eine zeitgerechte und organisatorisch seriös verdaubare Digitalisierung.

 

Innovation am NPO-Kongress

Bereits im letzten Jahr wurde der Kongress von einer App begleitet. Diese wurde für den Jubiläumskongress weiterentwickelt und bot den Teilnehmern eine Vielzahl von Extras. Neben dem Programm, Infos zu den Vortragenden und den Vortragsunterlagen konnten die Teilnehmer live Fragen stellen und an Umfragen teilnehmen, die noch im Plenum diskutiert wurden.

20 Kinder in einer Sporthalle | 30 Kinder auf dem NPO-Kongress

Das Abendprogramm wurde von Markus Hengstschläger (Organisationseinheitsleiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik | Leiter des Instituts für Medizinische Genetik) eingeleitet. Unter dem Titel „Wie manage ich (m)ein Talent?“ erklärte Hengstschläger, wie sich die Digitalisierung auf unseren Alltag auswirken kann. Als Beispiel dienten ihm 20 Kinder in einer Sporthalle, die Bälle fangen sollen, die aus vorhersehbaren und nicht vorhersehbaren Richtungen kommen. Anhand dieses Beispiels verdeutlichte er, wie wir unser eigenes Verhalten beeinflussen und unser Talent managen können. Kurz vor der großen Party stürmten dann schließlich circa 30 Kinder des Superar Chors die Bühne und erfreuten die Teilnehmer mit Tanz und Gesang. Mit Schnellzeichner, Fotobox und DJ wurde schließlich das 25-Jahr-Jubiläum ausgelassen gefeiert.

Best-Practice und Workshops

Der zweite Kongresstag bot die Möglichkeit, in vertiefenden Workshops und Erfahrungsberichten noch intensiver auf aktuelle Fragestellungen zum digitalen Wandel einzugehen. Agilität, Künstliche Intelligenz und Blockchain waren nur einige Themen, die besprochen und diskutiert wurden. Auch heuer fand wieder der Stream „Digitale und soziale Innovationen: Apps, Plattformen & Co“ statt. In Form von kurzen Pitches präsentierten acht Start-ups ihre Ideen, Geschäftsmodelle und digitalen Lösungen.

Where do you want to go today?

Last but not least reflektierte Bernhard Lorentz (Partner, Leader, Government und Public Sector Germany Switzerland Austria | EY Deutschland) darüber, wie die wirtschaftliche Lage in fünf Jahren aussehen könnte: „Wir werden eine große Skalierung von Kleineren sehen. Wenn wir in fünf Jahren hier wieder zusammenkommen, werden wir einen veränderten Markt haben. Wir werden eine größere Klassifizierung sehen und eine größere Breite an Akteuren – der Markt wird disruptiert werden.“ Außerdem verdeutlichte er, dass digitale Entwicklungen aktiv anzunehmen seien und für die Unternehmensziele genutzt werden müssen.

Christian Horak schloss die erfolgreiche Veranstaltung mit Druckers Worten „What do you want to change on Monday?“ und verdeutliche damit den Vorsatz des 25. NPO-Kongresses, nämlich seine Teilnehmer mit frischem Input und neuen Ideen für die Zukunft zu inspirieren. Und das soll  auch im nächsten Jahr wieder passieren:

SAVE THE DATE

Am 23. & 24. Oktober 2019 wird der 26. NPO-Kongress stattfinden.

 

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