Was ist eine Blockchain?

Stellen Sie sich vor, Sie müssen 10.000 € nach Japan überweisen. Zum Durchführen der Überweisung benötigen Sie eine Bank, die den Auftrag erhält, den Betrag an das japanische Konto zu überweisen. Sie über­geben das Geld an die Bank im Vertrauen, dass diese das Geld nicht veruntreut. Die Bank ermöglicht dann eine sichere, geheime und nachvollziehbare Transaktion. Für all diese Leistungen verrechnet die Bank natürlich eine Gebühr, und kaum drei bis vier Tage später freut sich Ihr Partner in Japan über das Geld, solange Sie seine Kontonummer richtig einge­geben haben. Was, wenn die gleiche Transaktion sofort, sicherer, ohne Mittelsmann und ohne Gebühren möglich wäre? Willkommen in der Welt der Blockchains.

 

Eine Blockchain ist ein digitales Verzeichnis, das sichere Transaktionen zwischen seinen Mitgliedern erlaubt. Eine Blockchain ist gut anhand einer digitalen Währung zu erklären. Die einfachste Form der digitalen Währung wäre eine E-Mail von A an B in der steht: Hiermit erhält B von A 100 digitale Euro („DE“). Diese Nachricht müsste B dann nur ausdrucken oder am Handy vorzeigen und jedes Geschäft würde B Waren im Wert von 100 DE aushändigen. Der Haken: Die Geldmenge in einer solchen Währung würde rasch ansteigen und es würde sich bald nicht einmal mehr auszahlen, die E-Mail auszudrucken.

Es bedarf daher eines Regulativs, das sicherstellt, dass niemand mehr als die ihm zustehende Menge an Geld (Daten) in das System einbringen und verwenden kann. Dazu wird ein digitales Verzeichnis ( digital ledger) erstellt, das alle Transaktionen zwischen den Mitgliedern erfasst. Jedes Mitglied beginnt mit einem Ausgangs­wert (den man zB in realen Euro gekauft hat), ab diesem Zeitpunkt werden alle Transaktionen erfasst und in das Verzeichnis geschrieben. Das Verzeichnis muss verschiedene Eigenschaften aufweisen, um Missbrauch auszuschließen. Zunächst muss jedes Mitglied das Verzeichnis jederzeit einsehen können. Weiters muss sichergestellt sein, dass nur Transaktionen erlaubt sind, die auch gedeckt sind. A darf nur so lange an B überweisen, solange er genügend Wert auf seinem Konto hat. Keine der Parteien darf von A eine Überweisung annehmen, wenn dieser im Minus ist. All das ist für Computer sehr leicht auch aus einem umfangreichen Verzeichnis auszurechnen.

Komplexer ist es, die Sicherheit des Verzeichnisses zu garantieren. Schließlich soll niemand seinen Kontostand unerlaubt erhöhen oder jenen der anderen verringern dürfen. Deshalb kann das Verzeichnis nicht geändert werden, sondern es dürfen nur Daten an das Verzeichnis angehängt werden. Das Anhängen von Datensätzen an das Verzeichnis erfolgt mit jeder neuen Transaktion, also in Blöcken. So wird zB jede Minute ein neuer Block an das Verzeichnis angehängt; dadurch entsteht eine Kette von Blöcken, eine sogenannte Blockchain.

Die nächste Frage lautet: Wer ist nun der Herrscher über die Blockchain? Schließlich wollen wir ja einen Mittelsmann ausschließen, der Gebühren verrechnen oder betrügen könnte. Blockchains werden von keiner zentralen Stelle gehalten (zB einer Bank), sondern jedes Mitglied hält eine Kopie der Blockchain. Es gibt keine Kopie, die „originärer“ wäre als jene der anderen, alle sind gleich­wertig. Daher ist sicherzustellen, dass alle Kopien auf dem gleichen Stand sind und kein Aktualitätskonflikt entsteht. Dies wird „Consensus“ genannt und ist Kern der Sicherheit des Systems. Immer, wenn jemand eine Transaktion durchführen möchte, wird diese als Antrag in das System eingebracht. Es darf nun nicht jeder seine Blockchain einfach anpassen. Nur derjenige, der als erster einen Schlüssel (Hash) für die Blockchain errechnet hat, kann den Antrag aufnehmen. Dies ist ein derart schwieriges Mathematikproblem, dass auch spezialisierte Rechner dafür einige Zeit benötigen. Damit wird dem System ein Rhythmus gegeben und nur der Schnellste kann den Antrag als neuen Block in die Blockchain einfügen. Alle anderen können nun die Lösung überprüfen und die Blockchain aktualisiert sich. Geht es bei der Blockchain um eine digitale Währung, erhält der Gewinner auch neu geschaffene Einheiten der digitalen Währung gutgeschrieben. Mitglieder, die es darauf anlegen, werden auch „Miners“ genannt.

Blockchains gelten als die sicherste Methode für Transaktionen aller Art, die Blockchain-Technologie als größte Innovation seit der Entwicklung des Internets.

Blockchains gelten als die sicherste Methode für Transaktionen aller Art. Es sind nicht nur alle Kommunikationen im Netzwerk – ebenso die Identitäten der Mitglieder – stark verschlüsselt, viel wichtiger: Das verteilte Netzwerk ist von Hackern kaum anzugreifen. Wollte man eine Transaktion fälschen, müsste man auch alle zurückliegenden Transaktionen anpassen. Zudem müsste man das gleichzeitig bei Millionen von Kopien der Blockchain durchführen. Je größer das Netzwerk, desto sicherer wird es.

Die Blockchain-Technologie wurde im Jahr 2008 in einem revolutionären neunseitigen Artikel von einem Satoshi Nakamoto publiziert ( https://bitcoin.org/bitcoin.pdf ). Bis heute ist unbekannt, wer hinter diesem Pseudonym steckt. Was im Finanzbereich jedoch sehr gut bekannt ist, ist des Artikels erster Satz: „A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online payments to be sent directly from one party to another without going through a financial institution.“

Die Blockchain-Technologie gilt als größte Innovation seit der Entwicklung des Internets. Es wird erwartet, dass durch sie ganze Industrien verändert werden und dies größere Auswirkungen haben wird als Big Data oder Artificial Intelligence. Welche davon das Controlling und den Finanzbereich betreffen, lesen Sie hier.

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