Führungskräfte müssen die Transformation aktiv begleiten

Das Spannungsgefüge zwischen Chance und Herausforderung ist symptomatisch für den digitalen Transformationsprozess. Wolfgang Wrumnig, CFO der Siemens AG Österreich, gibt Einblicke in den Umgang mit der Digitalisierung im Finanzbereich.


Mag. Wolfgang Wrumnig, CFO, Siemens Österreich. © Christina Supanz Fotografie

Mag. Wolfgang Wrumnig, CFO, Siemens Österreich. © Christina Supanz Fotografie

„Wir setzen in vielen Bereichen bereits auf Digitalisierung. Im Finanzbereich sind das Prozesse wie zum Beispiel Cash Collection Services, wo wir mithilfe von Geschäftsprozessmanagement-Software den Cash-Collection-Prozess automatisieren“, berichtet Wrumnig über die internen Prozesse bei Siemens. Die aktuellen Entwicklungen im Arbeitsalltag verdeutlichen, dass die aktuelle Welt immer dynamischer, größer im Sinne der Globalität und volatiler wird. Die damit einhergehende Digitalisierung verändert zahlreiche Geschäftsprozesse grundlegend. Auch die CFO-Community wird sich in den kommenden Jahren verstärkt mit digitalen Transformationsprozessen beschäftigen.

Digitalisierungsprojekte bei Siemens

Um den Cash-Collection-Prozess besser zu strukturieren und teilweise zu automatisieren, nutzt das Unternehmen eine Workflowmanagement-Software. Dabei werden To-do-Listen automatisch erstellt. Auch die komplette Dokumentation kann in diesem Tool gespeichert werden. Außerdem wird ein Software-Roboter eingesetzt. Mithilfe von Datenanalyse und Simulation sollen so die Forecast-Prozesse im Bereich Planung und Budgetierung im operativen Geschäft vereinfacht und beschleunigt werden. Dabei steht auch die Treffsicherheit der Forecasts im Zentrum. Die Siemens AG kann so überprüfen, wer die besseren Aussagen trifft: der Kollege vor Ort oder der Roboter. Dadurch kann der komplette Planungs- und Forecast-Prozess neu aufgesetzt werden. Der Leitgedanke? Die gesamte Zielsetzung konkreter zu formulieren und die Transparenz und Effizienz zu steigern.

Höchste Priorität hat für die Siemens AG die Prozessoptimierung. Mithilfe der Digitalisierung sollen nicht nur einzelne Prozessschritte automatisiert, sondern gezielt die gesamten Abläufe gestrafft und kürzere Laufzeiten benötigt werden, damit Ressourcen von einfachen Tätigkeiten hin zu wertschöpfenden Tätigkeiten transferiert werden können. Und das stellt auch an die Mitarbeiter neue Anforderungen. „Diese neuen Ansätze benötigen Mitarbeiter mit ganz anderer Ausbildung, als wir es im Finanzbereich gewohnt sind“, stellt Wrumnig fest.

Starker Fokus auf Mitarbeiter-Skills

Klassische Kompetenzen im Bereich Betriebswirtschaft, Rechnungswesen und Accounting stehen im Finance-Sektor immer noch an erster Stelle. Dennoch ist der Siemens-20sterreich-CFO überzeugt, dass weitere funktionsübergreifende Kompetenzen, wie IT-Skills, analytische Fähigkeiten, interkulturelle Kompetenzen und kreatives sowie konzeptionelles Denken an Bedeutung gewinnen werden. Auch im Recruiting wird verstärkt darauf geachtet, dass Bewerber über ein umfassendes Kompetenzportfolio verfügen. Zudem werden Trainings- und Entwicklungsprogramme laufend angepasst. So wurde unlängst das neue Online-Training zum Thema Digitalisierung gestartet. Unter den Schlagworten „Applying Digitalization to Our Business“ vermittelt Siemens in einem E-Learning-Kurs wichtige Aspekte zum Thema Digitalisierung. Mithilfe von Videos, Impulsreferaten und Slidecasts wird auf den Zuseher eingegangen. Nicht zuletzt sind die Grundlagen für den Umgang mit der Digitalisierung auch Bestandteil der Lehrlingsausbildung. In einem Pilotprojekt wird das Vertriebsteam vom „SalesKit for Industry Services“ unterstützt.

Als besonders spannend empfindet der CFO dabei die übergreifenden Kooperationen unterschiedlicher Abteilungen: „Von den dabei gemachten Erfahrungen können alle profitieren. In Zukunft werden sich die Berufs- und Ausbildungsbilder mit Sicherheit verändern. Gerade im Finanzbereich, aber auch in den operativen Geschäften werden wir künftig sicherlich verstärkt Mathematiker und Informatiker einstellen.“

Bessere Vernetzung

Dennoch ist man bei Siemens auch vorsichtig geworden, was das Vorantreiben der digitalen Transformationsprozesse angeht. Wichtig ist, dass man sich intern gut vernetzt. Hin und wieder hat man die Erfahrung gemacht, dass ähnliche Digitalisierungsprojekte aus den operativen Geschäftseinheiten und aus den Regionen heraus getrieben wurden. Das verschwendet unnötige Ressourcen. Daher wird im Finanzbereich für die Regionen Europa und Afrika eine gemeinsame Kommunikationsplattform eingesetzt. Auch in ein Tool, das Referenzprojekte dokumentiert, wurde investiert.

Zusammengefasst: „Die Digitalisierung wird neue Formen des Arbeitens benötigen, flexible, agile Formen, und wir müssen dafür sorgen, dass unsere Organisation ‚digital ready‘ ist. Dazu gehört Information und Ausbildung. Wir müssen unsere Mitarbeiter an die Digitalisierung heranführen und ihnen zeigen, was man mit der Digitalisierung und den neuen Tools machen kann. Lernen ist wieder angesagt.“

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