FOBO, Entscheidungsschwäche und Controlling mittendrin

Viele Unternehmen fokussieren in den letzten Jahren auf verstärkte Digitalisierung, Transformationen oder neue Arbeitsmethoden. Modernes Controlling ist hier in vielerlei Hinsicht gefordert, um gemeinsam dem Management die Ziele der Organisation sicherzustellen.

Aber Vorsicht – es menschelt auch!


Komplexität, der ständige Fluss an Informationen oder die wachsende Dynamik führen rasch zur Überforderung unseres Gehirns. Ein Beispiel dafür ist FOBO – die „Fear of Better Options”. Der Haupteffekt von FOBO ist, dass Entscheidungsprozesse gelähmt werden, was für Unternehmen gravierende Folgen haben kann. Daneben spielen eine Vielzahl von Unconscious Biases (deutsch kognitiver Verzerrungen) eine Rolle – auch im Controlling!

So what?

Effektives Business Partnering bedeutet auch menschliche Faktoren zu kennen und einen adäquaten Umgang mit ihnen zu lernen – es steht in Organisationen viel auf dem Spiel!

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Die professionell Objektiven

Die Qualität von Entscheidungen und deren wirkungsvolle Umsetzung stellen wesentliche Faktoren für den Erfolg von Unternehmen dar. Häufig geht es um die Optimierung bzw. Maximierung von Ergebnissen. Beim Controlling steht als eine der zentralsten Aufgaben „Decision Support“ auf der Agenda, was sich praktisch in folgenden Tätigkeiten zeigt:

  • Datenaufbereitung als Entscheidungsgrundlage,
  • Plausibilisieren von Schlussfolgerungen (z.B. in Business Cases),
  • Gatekeeper- und Facilitator-Rolle als Teil von Managemententscheidungen,
  • Beurteilung der Umsetzung von Entscheidungen (z.B. im Zuge des Reporting oder durch Analysen),
  • Beratung des Managements hinsichtlich (korrigierender) Maßnahmen sowie weiterer Entscheidungen.

Doch was, wenn diese Tätigkeiten systematisch verzerrt sind?

Das Selbstbild im Controlling – das ich aus eigener praktischer Erfahrung in 20 Jahren Konzern gut kenne – ist häufig durch Attribute wie neutral, objektiv oder rational geprägt. Als „no nonsense guy/lady“ bezeichnet zu werden, verstärkt dieses Bild möglicherweise ebenso wie die Verwendung von state-of-the-art Tools oder Prozessen.

Die Realität?

Auch im Controlling & Finance menschelt es. Es lässt sich auf der Basis eines gut beforschten Gebietes sagen, dass Phänomene wie Unconscious Biases oder verschiedene tief verankerte Muster auch in diesem Bereich nicht halten machen. Ein Phänomen davon ist FOBO – „the Fear of Better Options“.

Der Begriff FOBO geht ebenso wie das breiter bekannte Pendant FOMO („Fear of Missing Out“) auf den US-Amerikanischen Investor und Autor Patrick McGinnis zurück. Er hält FOBO für besonders problematisch bei Entscheidungen.

Warum?


FOBO in Unternehmen

Die „Furcht vor besseren Optionen“ bezeichnet die Unfähigkeit, sich zwischen verschiedenen Optionen zu entscheiden, wenn diese möglich und gut scheinen.

Im Geschäftsleben gibt es viele Ziele und Interessen zu berücksichtigen. Wir wurden oft dazu sozialisiert Ergebnisse zu maximieren und die beste Option zu wählen. Das kann sehr beunruhigend sein, und die Zahl der Optionen hat tendenziell zugenommen. Das Internet und die massenhafte Einführung hochentwickelter Technologien haben die Verfügbarkeit von Informationen beschleunigt.

Dies kann dazu führen, dass wir von der Auswahl überwältigt werden und zu viel nachdenken („overthinking“) – auch im Geschäftsleben. Es könnte ja eine bessere Option geben, die wir vielleicht noch nicht kennen!

Der Wunsch, das Ergebnis einer Entscheidung zu maximieren, macht FOBO äußerst relevant. Die übliche Unvollständigkeit von Informationen in Kombination mit zusätzlichen (und potenziell unbekannten) Optionen stellt eine Belastung dar.


Die Effekte von FOBO und der Konnex zu Unconscious Biases

FOBO kann Entscheidungen aller Art betreffen, Investitionen genauso wie die strategische Ausrichtung, Planung und Prognose ebenso wie den HR-Bereich. Die Effekte von FOBO sind typischerweise eine Kombination folgender Faktoren:

  • Stress, da so viele Optionen wie möglich gesucht werden,
  • Angst das Ziel nicht zu erreichen,
  • Frustration während des Entscheidungsprozesses oder als Folge davon,
  • Über-Analyse der identifizierten Optionen,
  • Paralyse und Nichthandeln.

Unconscious Biases wurden bereits erwähnt – bei FOBO spielen etwa die folgenden eine Rolle:

  • Auswahlparadox („overchoice“ bzw. „choice overload bias“): zu viele Alternativen behindern die Entscheidungsfindung.
  • Unterlassungseffekt („omission bias“): im Falle von möglicherweise negativen Folgen von aktiven Entscheidungen tendieren Menschen zur Unterlassung, da sie diese als weniger verantwortungsvoll wahrnehmen.  
  • Entscheidungsmüdigkeit („decision fatigue“): aufgrund der permanenten Anstrengung Entscheidungen in der VUKA-Welt zu treffen lassen mentale Ressourcen nach, was sich in Shortcuts und einer nachlassenden Entscheidungsqualität äußerst.

Der Effekt?

Anstatt die beste Option zu finden und Ergebnisse zu maximieren, entscheidet eine Organisation zu spät oder gar nicht. Mit dem genau gegenteiligen Ergebnis – statt Maximierung werden Ressourcen reduziert.

So what?

Ein gewisses Maß an FOBO ist sowohl rational als auch nützlich, da die Wahl der ersten verfügbaren Option nicht unbedingt die beste ist. Ab einem bestimmten Punkt erhöhen mehr Optionen die Chancen, ein Ziel zu erreichen, nicht mehr, sondern gefährden dies.


Was bedeutet dies nun fürs Controlling?

Entscheidungsprozesse finden in Organisationen ständig statt, das Controlling ist in der Regel mittendrin. Das Wissen um verzerrende Faktoren sowie eine passende Toolbox mit adäquaten Maßnahmen kann die Qualität der Prozesse signifikant erhöhen!

Die braucht die Beschäftigung nicht nur mit „hard stuff“ wie Methoden, Abläufen oder Tools, sondern eine Auseinandersetzung mit der menschlichen Seite im Geschäftsleben.

In meiner Zeit bei Borealis gelang es, letztere schrittweise in Entscheidungsprozesse sowie in verbundene Elemente einzubauen. Am Ende des Tages entscheiden Organisationen, wie sie entscheiden – effektives Business Partnering kann dabei den Unterschied ausmachen!


Weiterbildungstipps:

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Hier finden Sie weiterführende Texte zu FOBO in Unternehmen

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