Coaching: Warum, wieso, weshalb?

Welche Arten von Coaching es gibt, und wie Coaching am Beispiel von Controllern wirklich wirkt, lesen Sie in diesem Artikel.


Unternehmen sehen sich mehr denn je mit der Herausforderung konfrontiert, sich weiterzuentwickeln. Und natürlich besteht das Ziel darin, dass die Unternehmensentwicklung positiv und erfolgreich gelingt. Controller tragen hierbei eine große Verantwortung, weil sie das Management in der Zielfindung, Planung und Steuerung unterstützen und sicherstellen, dass Entscheidungen im Managementprozess rational getroffen werden. Für das Management sind die Controller deshalb ein wichtiger Partner, weil sie entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung stellen und aufzeigen, welche betriebswirtschaftlichen Konsequenzen mit welchen Entscheidungsoptionen verbunden sind.

Dieser Mehrwert wird in Unternehmen erkannt und aktiv eingefordert. Das führt dazu, dass sich die Rolle des Controllers seit einigen Jahren verstärkt in Richtung betriebswirtschaftlicher interner Berater und »Sparringpartner« entwickelt. Der Controller wird zum Business-Partner. Durch diese Entwicklung ist es nicht mehr damit getan, betriebswirtschaftlichen Handlungsbedarf zu identifizieren und dem Management die entsprechenden Informationen zur Verfügung zu stellen. Stattdessen wird verstärkt erwartet, dass Controller Entscheidungsprozesse durch zielgerichtete Interpretationshilfen aktiv begleiten und moderieren, aktiv Maßnahmen zum Kostenmanagement initiieren, Prozesse analysieren und optimieren, aber auch, dass sie betriebswirtschaftliche Kompetenz im Unternehmen fördern.

Mit steigenden Anforderungen an die Controllingfunktion sind auch entsprechend hoch ausgeprägte Kompetenzen erforderlich. Neben fachlichen Kompetenzen sind vor allem soziale Kompetenzen und Umsetzungskompetenzen gefragt (Kommunikations-, Beratungs- und Konfliktlösungskompetenz). In Change-Projekten nehmen Controller zusehends eine bedeutende Rolle in der Gestaltungsmotivation und im proaktiven Geben von (betriebswirtschaftlichen) Impulsen ein.

Grenzen von Trainings

Der Aus- und Weiterbildungsmarkt hat sich auf die steigenden Anforderungen eingestellt, sodass eine gute Möglichkeit für Controller darin besteht, sich über spezifische Seminare und Lehrgänge weiterzubilden. Vorteil hierbei ist, dass Wissen und Kompetenzen kompakt und zielgerichtet vermittelt werden und im Rahmen der Gruppensettings ein bereichernder Austausch mit Fachkollegen möglich wird. Grenzen bestehen dort, wo es um individuelle Weiterentwicklung geht: Aufgrund des festgelegten inhaltlichen und methodischen Rahmens steht in Trainings nur begrenzt Zeit für individuelle Fragen zur Verfügung. In diesem Fall stellt Coaching eine gute Alternative dar.

Zwei Arten von Coachings

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Coaching: Das Fachcoaching und das Entwicklungscoaching bzw. systemische Coaching. Beide Arten haben unterschiedliche Zugänge, laufen anders ab, verfolgen ein anderes Ziel und sind anders wirksam.

Das Fachcoaching

Beim Fachcoaching geht es darum, die eigenen Kompetenzen vor dem Hintergrund konkreter Problemstellungen aus dem Alltag zu reflektieren. Das Ziel des Fachcoachs besteht darin, den Coachee fachlich-inhaltlich bei der Umsetzung der Kompetenzen in Bezug auf die gewählte Problemstellung zu unterstützen: Der Coachee wird ziel- und praxisorientiert dazu befähigt, auf fundierter Basis Maßnahmen erfolgreich umsetzen zu können. Hierfür steht der Fachcoach mit seiner umfangreichen Erfahrung, Expertise und Fachkompetenz als Sparringpartner, Impuls- und Ratgeber zur Verfügung und stellt zum Beispiel sicher, dass der Coachee alles Wichtige berücksichtigt hat. Eine besonders wirkungsvolle Kombination ist die Ergänzung von Seminaren oder eines Lehrganges mit Fachcoaching. Der besondere Mehrwert liegt darin, dass Erlerntes direkt in der Praxis angewendet wird und potenzielle Hindernisse und Probleme durch das Fachcoaching bereits frühzeitig erkannt und gelöst werden können – sozusagen learning by doing per excellence!

Allgemein ist Fachcoaching besonders dann zu empfehlen, wenn der Coachee fachlich-inhaltlichen Unterstützungsbedarf hat und/oder vor einer fachlich besonders anspruchsvollen Herausforderung steht. Im Fall des Controllers als Business Partner wäre ein Beispiel, dass ein Controller Unterstützung in Bezug auf das Verständnis über Zusammenhänge und Abläufe in den operativen Bereichen in einem konkreten Praxisfall benötigt.

Das Entwicklungscoaching

Beim Entwicklungscoaching liegt der Schwerpunkt auf der Lösungsfindung durch den Coachee selbst. Diese Idee erscheint paradox, wenn man davon ausgeht, dass eine Person deshalb Hilfe sucht, weil sie ihr Problem nicht selbst lösen kann. Tatsächlich kann einem aber niemand mehr über eine Erfahrung berichten als die Person, die die Erfahrung gemacht hat. Demnach wäre somit der größte Experte für ein Problem derjenige, der das Problem hat. Im Entwicklungscoaching geht es darum, dieses Expertenwissen des Coachees zu nutzen, um eine Lösung zu finden. Die Psychologie hat nachgewiesen, dass Menschen in Mustern denken, die Neurowissenschaften haben dies bestätigt. Probleme bleiben deshalb häufig Probleme, weil wir sie zwar in verschiedenen Mustern durchdenken, es sich aber letztlich um die immer gleichen Muster handelt. Alleine aus dieser Spirale herauszukommen, kann unglaublich schwer sein und oft genug gelingt es nicht. Hier setzen Entwicklungscoaches an, indem sie mit manchmal seltsam anmutenden Fragen ihre Coachees dazu bringen, andere Perspektiven einzunehmen. Über diesen Perspektivenwechsel entstehen neue Ideen und neue Handlungsoptionen. In diesem Punkt gleichen sich Fach- und Entwicklungscoaching wieder, nur ist der Weg ein anderer, weil der Fachcoach Wissen hinzufügt und der Entwicklungscoach nicht zur Verfügung stehendes Wissen aktiviert. Auch die Ausgangsbasis ist eine andere. So ist Entwicklungscoaching dann nicht sinnvoll, wenn dem Coachee die Erfahrung und das Wissen zur Problemlösung fehlen. Gleichzeitig ist es besonders dann sinnvoll, wenn es um Fragestellungen geht, in denen die persönlichen Erfahrungen eine große Rolle spielen.

Ein gutes Beispiel für ein Entwicklungscoaching-Thema für Controller wäre somit, wenn vom Controller erwartet wird, dass er sich proaktiv ins Tagesgeschäft, in Projekte und in die Unternehmens- und Organisationsentwicklung einbringt. Was bedeutet dies für seine Rolle und sein Verhalten? Hier spielen persönliche Erfahrungen mit dem Management und dem Unternehmensnetzwerk eine große Rolle. Andere Beispiele wären die Reflexion von Erfahrungen in der Beratung des Managements oder die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten in Konfliktsituationen. Gerade in der Schnittstellenfunktion des Controllings kommt es mitunter auch zu konflikthaften Situationen (zum Beispiel im Zuge des Planungsprozesses, bei fehlerhafter Übermittlung von Zahlen usw.). Auch hierbei bietet sich Coaching als probate Methode an, um Lösungen für eine konstruktive Zusammenarbeit gestalten zu können.

Fazit

Es gibt verschiedene Wege für Controller, sich für ihre steigenden Anforderungen zu wappnen und Kompetenzen aufzubauen. Die klassische Weiterbildungsmöglichkeit durch Trainings im Gruppensetting hat viele Vorteile, zeigt sich aber auch begrenzt in Bezug auf individuelle Fragestellungen. Gerade hier wirken Coachings ideal, da sie die bestmögliche individuelle Unterstützung ermöglichen – entweder fachlich oder über die Aktivierung bereits vorhandener, aber ungenutzter persönlicher Ressourcen.


Der Artikel ist ursprünglich in Ausgabe 4 vom Magazin TRAINING erschienen.

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