Rolf Eschenbach hinterlässt eindrucksvolle Spuren
Rolf Eschenbach hat das Controlling in Österreich geprägt wie kaum ein anderer. Er brachte Wissenschaft und Praxis zusammen, schuf Institutionen und eröffnete Menschen Entwicklungsmöglichkeiten. Am 22. Juli 2026 ist er im 96. Lebensjahr verstorben.
PIONIER, IMPULSGEBER, LEHRER, UNTERNEHMER UND NETZWERKER
Sein beruflicher Weg war ungewöhnlich und von Beginn an durch die Verbindung unterschiedlicher Erfahrungswelten gekennzeichnet. Nach dem Abitur in Thüringen absolvierte Rolf Eschenbach zunächst eine Lehre als Brauer und Mälzer in Frankfurt am Main. Danach arbeitete er als Brauer und Biersieder in der Schweiz. An der Technischen Universität München in Weihenstephan studierte er Brauwesen und schloss das Studium als Diplom-Braumeister und Diplom-Ingenieur ab. 1962 promovierte er, 1964 habilitierte er sich im Fach Betriebswirtschaft. Parallel zu seiner universitären Ausbildung war er in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sowie als Sachverständiger für Unternehmensbewertungen in der Brauwirtschaft tätig. Von 1964 bis 1972 arbeitete er als Prokurist der Dortmunder Hansa-Brauerei, ab 1967 auch als stellvertretendes Mitglied des Vorstands. Von 1972 bis 1975 gehörte er dem Aufsichtsrat der Brauerei Moninger AG in Karlsruhe an.
1975 wurde Rolf Eschenbach auf eine Professur für Unternehmensführung an die Wirtschaftsuniversität Wien berufen, an der er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 forschte und lehrte. Damit begann ein Wirken, das weit über die Universität hinausreichte. Controlling war in Österreich damals weder als eigenständiges Lehr- und Forschungsfeld noch als fest verankerte betriebliche Funktion etabliert. Rolf Eschenbach erkannte früh die Bedeutung einer vorausschauenden und systematischen Unternehmenssteuerung. Mit großer Beharrlichkeit und Energie machte er das Controlling in Österreich bekannt und trug entscheidend dazu bei, dass sich rund um das neue Fachgebiet eine professionelle Community entwickeln konnte.
Ein wesentlicher Meilenstein war der 1. Österreichische Controllertag im Jahr 1980. Er wurde zu einem Fixpunkt des Dialogs zwischen Wissenschaft und Praxis und zugleich zur Keimzelle des Österreichischen Controller-Instituts, das Rolf Eschenbach am 14. September 1982 als gemeinnützigen Verein an der Wirtschaftsuniversität Wien gründete. Damit schuf er einen institutionellen Rahmen für die Verbreitung und Weiterentwicklung des Controllings in Österreich. Fachliche Fundierung, konsequente Praxisorientierung und der Aufbau eines starken Netzwerks gehörten von Anfang an zusammen.
Für Rolf Eschenbach war das Controller-Institut jedoch weit mehr als eine Bildungseinrichtung. Es sollte Menschen dazu befähigen, Veränderungen zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen und Organisationen wirksam weiterzuentwickeln. Lernen war für ihn kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für Veränderung und bessere Leistung. Dieser Grundgedanke wirkt im Selbstverständnis des Instituts bis heute fort.
1991 war Rolf Eschenbach Gründungsvater und -partner der Contrast Management-Consulting GmbH, einer auf Strategie und Controlling spezialisierten Beratungsgruppe. Im Zusammenspiel von universitärer Forschung und Lehre, dem gemeinnützigen Controller-Institut sowie der Ausbildungs- und Beratungstätigkeit von Contrast entstand ein besonderes Modell des Wissenstransfers. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden in die unternehmerische Praxis getragen, Erfahrungen aus Unternehmen flossen wiederum in Lehre, Forschung und Weiterbildung ein. Dieses Zusammenspiel galt über viele Jahre als ein „Gesamtkunstwerk“. Es verband fachlichen Anspruch, unternehmerische Initiative und persönliche Entwicklung.
Über seine fachliche Kompetenz hinaus verfügte Rolf Eschenbach über die besondere Fähigkeit, Menschen und Institutionen miteinander zu verbinden. Er schuf Plattformen für den Austausch und brachte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Sein Netzwerk diente nicht der bloßen Kontaktpflege. Es war auf gemeinsames Lernen, fachliche Weiterentwicklung und konkrete Wirkung ausgerichtet. Für zahlreiche Menschen wurde es zu einem Ort des Lernens, der professionellen Entfaltung und der Begegnung. Viele berufliche Wege, aber auch langjährige persönliche Verbindungen und Freundschaften, nahmen dort ihren Ausgang.
Rolf Eschenbach verstand Controlling nicht als statische Sammlung von Methoden und Instrumenten. Ihn interessierte die Grundidee dahinter: Unternehmen vorausschauend zu führen, Entscheidungen zu verbessern und Entwicklungen aktiv zu gestalten. Er sah im Controlling große Zukunfts- und Entwicklungsmöglichkeiten und setzte sich zeitlebens dafür ein, das Fach weiterzudenken. Auch nach seiner Emeritierung blieb er an neuen Entwicklungen interessiert und brachte sich mit fachlicher Klarheit und festen Überzeugungen in den Diskurs ein.
Dabei war Rolf Eschenbach ein Mann klarer Prinzipien. Integrität, Eigenständigkeit und Verantwortungsbewusstsein bestimmten sein Handeln. Was er von anderen erwartete, lebte er selbst vor. Seine Positionen waren klar, seine Ansprüche hoch, seine Verlässlichkeit ebenso. In Wissenschaft, Lehre und Wirtschaft blieb er seinen Grundsätzen treu.

Rolf Eschenbach prägte Menschen, indem er ihnen früh Verantwortung übertrug und zugleich hohe Ansprüche stellte. Als Förderer und Forderer wurde er für viele zum Lehrer, Mentor, kritischen Gesprächspartner und langjährigen Wegbegleiter.
„Bereit zum Aufbruch“ war für Rolf Eschenbach nicht nur ein Leitmotiv, sondern eine Haltung. Sein Blick war auf die Zukunft gerichtet. Er wollte gestalten und Neues ermöglichen, ohne anderen ihren eigenen Entwicklungsraum zu nehmen.
Mit Rolf Eschenbach verliert die Controlling-Community einen ihrer bedeutendsten Pioniere und das Österreichische Controller-Institut seinen Gründer. Seine Spuren bleiben. Sie zeigen sich in den Institutionen, die er geschaffen hat, in der festen Verankerung des Controllings in Österreich und in der Verbindung von Wissenschaft und Praxis, die er konsequent gelebt hat. Vor allem aber bleiben sie in den Menschen, denen er Vertrauen entgegenbrachte, Verantwortung übertrug und Entwicklung ermöglichte.
Das Österreichische Controller-Institut wird Rolf Eschenbach ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Anspruch, Zukunft mit Wissen, Verantwortung und Gestaltungswillen aktiv zu formen, bleibt Auftrag und Orientierung.
Autoren
–Dr. Rita Niedermayr ist Mitglied der Geschäftsführung des Österreichischen Controller-Instituts und Partnerin bei EY
–Dr. Christian Kreuzer ist Mitglied des Aufsichtsrates des Österreichischen Controller-Instituts und Geschäftsführer der AVV Investment GmbH



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