EY-Studie: Nachhaltigkeit stark in Unternehmensstrategien verankert
Nachhaltigkeit ist in den Strategien österreichischer Unternehmen heute stärker verankert als noch in den vergangenen zwei Jahren. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen und regulatorischer Veränderungen wird sie zunehmend zu einem selbstverständlichen Bestandteil unternehmerischen Handelns.
Nach einem kurzen Abwärtstrend im vorigen Jahr gewinnt Nachhaltigkeit in Österreichs Unternehmen wieder deutlich an Bedeutung. Das zeigt das EY Sustainability Barometer 2026. Für die Studie wurden 180 Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitenden telefonisch befragt.
61 Prozent haben Nachhaltigkeit vollständig in ihrer Strategie integriert, weitere 37 Prozent zumindest teilweise. Zugleich wird der Einfluss auf die eigene Branche etwas niedriger bewertet als 2024 und 2025. Der scheinbare Widerspruch spricht für eine neue Phase: Nachhaltigkeit scheint ihren Sonderstatus als Zusatzprojekt zu verlieren und zur Normalität zu werden.

KRISEN UND STEIGENDE ENERGIEPREISE ALS BREMSE UND KATALYSATOR ZUGLEICH
Fast jedes zweite Unternehmen nennt finanzielle Grenzen als Hürde bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Trotzdem fahren viele Unternehmen ihre Aktivitäten nicht zurück – im Gegenteil. Geopolitische Krisen und höhere Energiepreise haben die Nachhaltigkeitsarbeit bei der Hälfte der Befragten sogar zumindest teilweise beschleunigt. Besonderer Fokus liegt auf Maßnahmen, die ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Stabilität verbinden:
- 58 Prozent priorisieren eigene Stromerzeugung oder Photovoltaik.
- 51 Prozent verstärken ihre Energieeffizienzmaßnahmen.
- 38 Prozent setzen stärker auf Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz.
Die Dekarbonisierungspläne zeichnen ein ähnliches Bild: 74 Prozent wollen mehr erneuerbare Energie selbst bereitstellen, um zur Dekarbonisierung beizutragen. Nachhaltigkeitsmanagement unterstützt damit nicht nur Klimaziele, sondern es hilft Unternehmen auch, Energiekosten, Abhängigkeiten und Versorgungsrisiken zu reduzieren.
VERANTWORTUNG VERSCHIEBT SICH WIEDER VOM VORSTAND IN DIE ORGANISATION
2024 lag die Hauptverantwortung für Nachhaltigkeit vor allem bei den Nachhaltigkeitsabteilungen, 2025 verlagerte sie sich zunehmend auf die Führungsebene. Jetzt geht sie wieder stärker auf spezialisierte Funktionen über: 2026 nennen nur mehr 31 Prozent den Vorstand oder die Geschäftsführung als verantwortliche Ebene – im Jahr 2025 waren es noch 47 Prozent. 29 Prozent haben eigene Nachhaltigkeitsstellen, 23 Prozent eigene Abteilungen. Ihre zentrale Rolle aus dem Jahr 2024 nehmen die Nachhaltigkeitsabteilungen bislang jedoch nicht wieder ein. Dafür gewinnen Projektteams an Bedeutung.

OMNIBUS VERÄNDERT BERICHTSANFORDERUNGEN, NICHT DEN NACHHALTIGKEITSTREND
Das Omnibus-Paket der EU verkleinert den Kreis der Unternehmen, die unter die CSRD-Berichtspflicht fallen. 32 Prozent der im Rahmen des EY Sustainability Barometers Befragten erklären, aufgrund der höheren Schwellenwerte nicht mehr der CSRD zu unterliegen. Diese reduzierten Berichtspflichten hätten erwarten lassen, dass die Regulatorik als Nachhaltigkeitstreiber an Bedeutung verliert und damit auch der Stellenwert von Nachhaltigkeit in Unternehmen weiter sinkt. Allerdings nennen 86 Prozent gesetzliche Vorgaben als starken oder eher starken Einflussfaktor.
Damit hat sich die Bedeutung der Regulatorik als Nachhaltigkeitstreiber gegenüber 2025 nahezu verdreifacht. Erklären lässt sich das mit dem breiter und vielfältiger gewordenen regulatorischen Umfeld. Die Omnibus-Initiative befreit zwar viele Unternehmen von der Berichtspflicht, gleichzeitig kommen jedoch andere europäische Richtlinien und Verordnungen hinzu. Die Empowering Consumers Directive (EmpCo) bringt zum Beispiel strengere Regeln in der Nachhaltigkeitskommunikation mit sich, die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) stellt neue Anforderungen an Hersteller:innen, Importeur:innen oder Händler:innen, die verpackte Produkte in Verkehr bringen.
Zusätzlich zeigt sich, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen längst mehr als die bloße Erfüllung regulatorischer Vorgaben ist. 44 Prozent der nicht CSRD-berichtspflichtigen Unternehmen planen, einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen.
Die reduzierte CSRD-Pflicht entbindet Unternehmen nicht von der Notwendigkeit belastbarer Nachhaltigkeitsdaten – Banken, Investor:innen und große Geschäftspartner fordern diese Informationen ohnehin zunehmend ein. Wie wichtig der österreichischen Bevölkerung Klimaschutzmaßnahmen und eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation sind, zeigt auch das EY Klimaschutzbarometer.
FAZIT
Die Ergebnisse des EY Sustainability Barometers 2026 deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeit zunehmend unabhängig von einzelnen Regulierungsvorgaben Bestand hat. Finanzielle Engpässe und die schwierige wirtschaftliche Lage sind zwar Hürden für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, gleichzeitig veranlassen die geopolitischen Unsicherheiten viele Unternehmen dazu, in erneuerbare Energien bzw. eigene Energiebereitstellung zu investieren. So können Unternehmen mehr Resilienz aufbauen und Risiken durch Abhängigkeiten reduzieren.
Nachhaltigkeit befindet sich damit keineswegs auf dem Rückzug, sondern ist in Österreichs Unternehmen fest verankert und wird zunehmend zur Normalität in Strategien und Prozessen.
Weiterführende Links
- Nachhaltigkeit in Österreichs Unternehmen » Die Studie von EY | EY – Österreich
- https://www.ey.com/de_at/services/sustainability/ey-denkstatt

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