„Es geht darum, die richtigen Stellschrauben zu identifizieren“

Andreas Fritthum, MA, CFO der Laudamotion GmbH, über Veränderungen und Entscheidungen eines CFO. – Ein Portrait von Dr. Nik Dolenz, Journalist aus Wien.


Es war ziemlich überraschend, als Niki Laudas Laudamotion zu Jahresbeginn vom Gläubigerausschuss der insolventen Fluglinie Niki den Zuschlag für die Übernahme erhielt. Damit musste auch ein entsprechendes Management für die neue Fluglinie aufgebaut werden. Mit der Funktion des CFO wurde Anfang April Andreas Fritthum betraut. Wer ist dieser Mann? Nun, wenn Fritthum seinen Werdegang beschreibt, dann hat es in diesem doch schon öfter interessante Kurven gegeben.

Ausbildung mit starkem Praxisbezug

Geboren wurde Fritthum 1985 in Wien als Sohn eines musikaffinen Vaters, der im Kulturbetrieb tätig war, ua jahrelang in der Direktion der Wiener Staatsoper, und seinen Kindern die Liebe zur Musik und Kultur weitergab. Diese Prägung – wie etwa das Klavierspiel – blieb Hobby: „Ich bin zwar kulturell sehr interessiert, habe aber erkannt, dass ich keine professionelle musikalische Karriere einschlagen wollte. Ich musste für mich selbst herausfinden, was das Richtige ist, und habe das auch geschafft.“

Der Weg führte nach der Matura am Akademischen Gymnasium und dem Zivil­dienst beim Roten Kreuz, wo er als Rettungssanitäter und Einsatzfahrer tätig war, an die FH Wien, wo er Tourismus-Management studierte. „Die Option, die akademische Ausbildung mit einem starken Praxis­bezug zu verbinden, der touristische Ansatz und die weltoffenen Möglichkeiten damit haben mir sehr gut gefallen. Ich wollte aber auch die betriebswirtschaftliche Komponente in meiner Ausbildung verankert wissen.“ Sein erstes Praktikum noch während der Mittelschulzeit in den Schick-Hotels, seine Jobs in der Gastronomie und bei Catering­unternehmen passten da gut dazu. Während des Studiums praktizierte Fritthum sechs Monate bei einer großen Hotelgruppe in Triest. „Ich habe meine Studienzeit sehr geschätzt, daneben gerne gearbeitet und dabei viel gelernt. Es war aber auch organisatorisch sehr herausfordernd, alles unter einen Hut zu bekommen.“

Die betriebswirtschaftliche Seite der Ausbildung war klassisch aufgebaut von Professoren der WU, die aber auch in engem Bezug mit Personen aus der touristischen Praxis standen. Über diese thematische Hybridsituation kam Fritthum nach dem Bachelor im Jahr 2007 zur Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT). „Ich habe dort erstmals beruflich die Themen Controlling, Risikomanagement, Strukturierung und Beratung kennengelernt und an interessanten Projekten mitgearbeitet.“

Gesamthaftes betriebswirtschaftliches Denken

Parallel zu seiner Arbeit absolvierte Fritthum erfolgreich den Masterstudiengang und wurde 2008 bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien in der Fachabteilung Raiffeisenbanken Consulting engagiert. Dort galt es, die selbständigen Raiffeisenbanken vor Ort im gesamten betriebswirtschaftlichen Spektrum zu beraten. „Hier habe ich das Bankgeschäft in seiner Gesamtheit kennengelernt. Damals konnte ich zunächst im Paarlauf mit dem Abteilungsleiter und später alleine die einzelnen Banken beraten und unterstützen. Einen sehr spannenden Teil bildete die gesamte Regulatorik. Ich hatte ja kurz vor der großen Finanzkrise 2008 begonnen, da änderten sich dann sehr viele Dinge. Wir konnten die Banken bei den neuen regulatorischen Anforderungen und aufsichts­rechtlichen Themen, die damals auf die Geschäftsleiter einprasselten, unterstützen und mit ihnen gemeinsam daran arbeiten.“

Rückblickend bezeichnet Fritthum diese Tätigkeit als einen Glücksfall, weil „es mich zu einem Generalisten gemacht hat, natürlich mit Finanzfokussierung. Ich habe gesamthaft gelernt, betriebswirtschaftlich zu arbeiten und zu steuern. Es war spannend, schon in den ersten Berufsjahren mit Geschäftsführern zu diskutieren, die selbst oft ganz unterschiedliche Erfahrungen hatten – in den meisten Fällen deutlich mehr als ich –, und ich konnte von diesen Diskussionen enorm profitieren.“

Mit dieser Bankerfahrung wollte Fritthum auch weitergehen, selbst aktiv werden. Eine Möglichkeit dazu bot ihm 2011 eine Ausschreibung der Österreichischen Apothekerbank. „Die Apothekerbank, eine Genossenschaftsbank, ist Teil des Volksbanken-Verbundes und Spezialbank für den Finanzierungs- und Veranlagungsbedarf ihrer Mitglieder. Die Bank hat kein Filialnetz und agiert mit einer sehr effizienten Kostenstruktur“ , beschreibt Fritthum. Er wurde stellvertretender Leiter der Abteilung Bilanz/Controlling und konnte dabei auch die vielfältigen Erfahrungen, die er im Consulting bei Raiffeisen gesammelt hatte, einsetzen. Die Größe der Bank ermöglichte es ihm, an den verschiedensten Themen mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. „Man wird zum Generalisten, was ich als Vorteil erachte. Bei großen Banken wird man eher zum Spezialisten.“ Heute sind für diese Spezialbank vor allem das Know-how und die Kundenbindung entscheidend. „Wenn der Kunde einen Betreuer hat, der das Geschäft des Kunden gut versteht und ihm auch betriebswirtschaftlich weiterhelfen kann, dann wird das schon sehr geschätzt. Die Idee ist, den Kunden in der ganzen Lebensphase vom Studium an bei Aufbau und Führung des Betriebs, eventuell auch beim Verkauf und der Veranlagung des Erlöses, zu betreuen.“

2016 übernahm Niki Lauda alle Gesellschafts­anteile der Amira Air GmbH und firmierte sie in die Laudamotion GmbH um. Sie bot mit Businessjets Charterflüge für die gehobene Klientel an und firmiert mittlerweile als Laudamotion Executive GmbH. Im Jänner 2018 erhielt Laudamotion den Zuschlag für die Übernahme der insolventen Fluglinie Niki. Lauda übernahm aus der Konkursmasse die Start- und Lande­rechte und bis zu 15 der ehemaligen Niki-Flugzeuge. Weiters wurde ein wesentlicher Teil des Personals übernommen. Im März wurde bekannt, dass die irische Ryanair einen Anteil von zunächst 24,9 % an Laudamotion übernehmen will. Vorbehaltlich einer Genehmigung der Wettbewerbsbehörden soll dieser Anteil auf 75 % erhöht werden. Laudamotion soll allerdings lang­fristig ein eigenständiges, von Ryanair unabhängiges österreichisches Flugunternehmen mit Sitz in Wien, eigenem Produkt und Flugbetrieb bleiben.

2013 übernahm Fritthum die Leitung der Stabsstelle Controlling, und der Aufgabenbereich erweiterte sich. Damals war die Gesamtsituation im Volksbanken-Verbund aufgrund der Krise der ÖVAG schwierig. Die Regional- und Spezialbanken des Sektors hatten alle Hände voll zu tun, um die Situation zu bereinigen. Haupteffekt war, dass sich die Volksbanken sehr stark konsolidierten und die Zahl von knapp 60 auf weniger als 10 reduziert wurde. Von den Spezialbanken wurden die beiden im Gesundheitsbereich tätigen Banken, die Ärzte- und die Apothekerbank, im Jahr 2017 zusammengeführt. „Das war aufgrund der Thematik, dass beide Standesvertretungen großen Einfluss hatten, sehr herausfordernd, aber man verständigte sich auf die Fusion. Das machte auch durchaus Sinn. Die Apothekerbank war stärker auf der Finanzierungsseite, die Ärztebank auf der Einlagenseite – das brachte in der Bilanzstruktur Vorteile. Gemeinsam erreichte die Bilanzsumme rund eine Milliarde.“ Die Fusion führte auch zwei Controlling- und zwei Bilanzierungsabteilungen zusammen, und Fritthum übernahm die Leitung für den gesamten Finanzbereich.

Vielfältige neue Herausforderungen

Dann kamen allerdings neue Aspekte auf Fritthum zu: „Ich wurde als einer von mehreren angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, die Rolle des Finanzverantwortlichen bei Laudamotion zu übernehmen. Ich hätte das Projekt in der Bank auch gerne weiterbegleitet, musste aber den Sachverhalt für mich abwiegen, und das musste sehr schnell gehen. Wenn man mit Niki Lauda zusammenarbeitet, sind schnelle Entscheidungen erforderlich. Ich stellte mich also den Hearings, und man sieht ja, wohin es geführt hat.“ Mit April dieses Jahres übernahm Fritthum die Funktion als CFO der Laudamotion GmbH. „Es ist ein tolles Projekt mit vielfältigen Herausforderungen. Wir sind ein junges, motiviertes Team, das richtig Gas gibt.“

Die Vorgeschichte dazu: Ende Jänner 2016 übernahm Niki Lauda mit seiner NL Holding GmbH, einer Tochter­gesellschaft der Lauda Privat­stiftung, alle Gesellschafts­anteile der Amira Air GmbH und firmierte sie in die Laudamotion GmbH um – eine Marke, die er zuvor schon von 2003 bis 2009 für eine Autover­mietung nutzte. Lauda bietet seither Charterflüge mit Businessjets an. Am 23. 1. 2018 gab der Gläubigerausschuss der insolventen Fluglinie Niki Laudamotion den Zuschlag für die Übernahme. Aufgrund des in der Laudamotion schon vorhandenen österreichischen Betreiberzeugnisses sollten die bis zu 15 Airbus-Flieger schneller wieder in die Luft kommen, als es bei den Konkurrenten möglich gewesen wäre. Lauda übernahm damit aus der Konkursmasse die Start- und Lande­rechte („Slots“) und einen Teil der ehemaligen Niki-Flugzeuge im Leasingbestand. Auch ein Teil des ehemaligen Personals wurde übernommen.

Den aktuellen Stand schildert Fritthum so: „Laudamotion als Linienflug­gesellschaft hat es in Rekordzeit geschafft, innerhalb von ein paar Wochen den Flugbetrieb Ende März wieder aufzunehmen. Ein großer Erfolg, denn es war keine einfache Übung, mit den verbliebenen Assets und Flugzeugen, die äußerst schwer aus der Lufthansa-Gruppe zurückzubekommen waren, den Flugbetrieb wieder zu starten. Natürlich gibt es auch entsprechende Anlaufthemen, doch wir arbeiten hart daran, einen möglichst reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Mit Anfang Juni haben wir in vollem Umfang unser Sommerflugprogramm aufgenommen. Auf der Beteiligungsseite sieht es so aus, dass Ryanair als strategischer Partner, Investor und neuer Miteigentümer (24,9 % der Anteile) und späterer Mehrheitseigentümer – 75 % sind im Kaufvertrag festgehalten – an Bord ist. In Bearbeitung sind noch Genehmigungen der Europäischen Wettbewerbsbehörde, aber es gibt positive Signale. Ryanair ist ja im deutschsprachigen Raum nicht allzu stark vertreten.

Strategisch bedeutet das, dass wir in engster Abstimmung mit den Kollegen von Ryanair arbeiten. Es handelt sich um das erste große Beteiligungsprojekt von Ryanair, das sehr motiviert und positiv unterstützt wird. Mit Niki Lauda gibt es auch eine ganz starke Unternehmerpersönlichkeit, die das Projekt mitträgt und die mitarbeitet. Er ist praktisch täglich im Büro und eine sehr treibende Kraft. Das Projekt ist so aufgesetzt, dass die Marke Laudamotion erhalten bleibt und ausgebaut wird. Ryanair ist ein unglaublich starker Partner, in Bezug auf die Passagierzahlen 2016 die größte Fluglinie Europas. Und auch die Gewinnzahlen sprechen für sich.“

Ursprünglich war eine Zusammenarbeit mit der deutschen Fluggesellschaft Condor in Arbeit; es wurden auch entsprechende Synergien genutzt. „Als Start-up-Airline ohne großem Netzwerk mit starker Abhängigkeit von anderen Dienstleistern wie Condor waren die Möglichkeiten begrenzt. Es hat aber sehr gut funktioniert. Die Idee wäre gewesen, bestimmte Dienst­leistungen von Condor machen zu lassen. Mit Beteiligung der Ryanair haben sich die Dinge aber geändert und wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten. Die Dienst­leistungen, die ausgelagert waren, wurden von uns selbst neu aufgebaut und ins Haus integriert. Wir haben das OCC, die Verkehrsleitstelle, von Condor übernommen. All diese Entscheidungen werden von Ryanair mitgetragen. Das spricht ganz klar für das eigenständige Unternehmen Laudamotion, das sich natürlich als Teil der Ryanair-Gruppe strategisch entsprechend positionieren wird. Das AOC, die österreichische Flugbetriebsgenehmigung, erfordert die Niederlassung hier in Wien, auch die entsprechenden strategischen Stellen müssen hier angesiedelt sein.“

Als Vorteil wird auch erachtet, dass Laudamotion im Gegensatz zu Ryanair (ein reiner Boeing-Operator) Airbus-Maschinen in der Flotte hat. „Neun davon sind uns direkt zuzurechnen, werden auch mit unseren Crews geflogen. Der Rest wird aktuell von Ryanair zur Verfügung gestellt. Unser Bestreben ist es aber, die eigene Flotte auszubauen und weniger Ryanair-Maschinen zu nutzen.“

Was bedeutet die Arbeit als CFO?

„Es geht darum, die richtigen Stellschrauben zu identifizieren, in die Diskussion mit den Kollegen, mit der Geschäftsführung zu gehen und die Möglichkeit vorzufinden und dazu beizutragen, mithilfe dieser Stellschrauben Veränderungen und Entscheidungen herbeizuführen.“ Andreas Fritthum

Im CFO-Bereich von Fritthum liegen die wesentlichen Komponenten der betriebswirtschaftlichen Steuerung, also Controlling, Accounting, Asset Management, weiters die Treibstoffthematik und die Office-IT. Was bedeutet die Arbeit als CFO aus seiner Sicht? „Es geht darum, die richtigen Stellschrauben zu identifizieren, in die Diskussion mit den Kollegen, mit der Geschäftsführung zu gehen und die Möglichkeit vorzufinden und dazu beizutragen, mithilfe dieser Stellschrauben Veränderungen und Entscheidungen herbeizuführen.“

Vor zwei Jahren traf Fritthum auch eine wichtige persönliche Entscheidung, indem er seine langjährige Partnerin heiratete. Sie ist Tierärztin und betreibt seit drei Jahren mit einer Kollegin eine auf Kleintierorthopädie spezialisierte Praxis in Wien. Bei Business-Plan und Finanzierungs-Konzept war der CFO natürlich voll eingebunden. Dass Hunde auch zum privaten Leben gehören, versteht sich da von selbst. Wie viel Zeit dann wohl noch für die Hobbies Sport, Musik und Lesen bleibt?

Dieses Porträt stammt von Nik Dolenz und wurde erstmals in CFO aktuell – Zeitschrift für Finance & Controlling veröffentlicht. Weitere Infos unter: www.cfoaktuell.at

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