Nachhaltigkeitsberichterstattung im Wandel: Von regulatorischer Pflicht zur strategischen Transformation

Nachhaltigkeitsberichterstattung galt lange primär als regulatorische Anforderung. Doch zunehmend zeigt sich: Richtig eingesetzt kann sie zum strategischen Instrument für unternehmerische Transformation werden. Aktuelle Studien liefern Erkenntnisse darüber, welche Faktoren eine wirksame Integration von Nachhaltigkeit in Geschäftsprozesse unterstützen und welche Rolle der Berichterstattung dabei zukommt.


EINLEITUNG

Die regulatorischen Entwicklungen im Kontext der Nachhaltigkeitsberichterstattung waren in den vergangenen Jahren von erheblicher Dynamik geprägt. Im Dezember 2025 wurde im Rahmen einer Einigung zwischen Europäischem Parlament, Europäischem Rat und Europäischer Kommission die in der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, (EU) 2022/2464) ursprünglich vorgesehene Ausweitung des Anwendungsbereichs auf zahlreiche bislang nicht berichtspflichtige Unternehmen teilweise zurückgenommen. Künftig unterliegen nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen und einem Umsatz von mehr als 450 Mio. EUR der Berichtspflicht. Diese Schwellenwerte wurden auch in dem im Jänner vom österreichischen Nationalrat beschlossenen Nachhaltigkeitsberichtsgesetz (NaBeG) übernommen.

Unabhängig von der formalen Berichtspflicht ist jedoch davon auszugehen, dass die Anforderungen an die Bereitstellung von Nachhaltigkeitsinformationen für Unternehmen insgesamt weiter steigen werden. Dies ist einerseits auf den sogenannten Trickle-down-Effektzurückzuführen, wonach berichtspflichtige Unternehmen entsprechende Informationen entlang ihrer gesamten Lieferkette einholen. Andererseits erhöhen sich auch im Finanzierungsbereich die Erwartungen an transparente und vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen. Mit dem Fortschreiten des Klimawandels gewinnen diese Informationen zunehmend an Relevanz für Risikoabschätzungen, Investitionsentscheidungen und Unternehmensbewertungen. Jenseits formaler Compliance rückt damit verstärkt in den Fokus, welche Rolle Nachhaltigkeitsberichterstattung für die strategische Ausrichtung und die nachhaltige Transformation von Unternehmen spielen kann.

Konkret stellt sich die Frage, wie Unternehmen dem komplexen Thema Nachhaltigkeit konstruktiv begegnen können, welche Erfolgsfaktoren eine wirksame Transformation unterstützen und welche Rolle der Berichterstattung dabei zukommt. Denn klar ist: Die Transformation der europäischen Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit und Net Zero wird – unabhängig von regulatorischen Anpassungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung – weiter voranschreiten.

AKTUELLE STUDIENLAGE

Der Frage, welche Erfolgsfaktoren eine wirksame Transformation unterstützen können, wurde in einer Studie von Katrin Hummel (WU Wien) und Annette Krauss (Universität Zürich) nachgegangen. [1] Die Ergebnisse zeigen, dass die Transformation von Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit als Change-Prozess verstanden werden muss. Neben der Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die internen Steuerungsprozesse spielen insbesondere vier Change Levers eine herausragende Rolle für das Gelingen:

  • die klare Verankerung von Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie,
  • eine grundlegende Veränderung der Unternehmenskultur,
  • das Commitment des Top-Managements sowie
  • ein institutionalisierter, funktionsübergreifender Austausch, beispielsweise im Form von Nachhaltigkeitskommittees.

Der Nachhaltigkeitsberichterstattung selbst kommt hierbei eine zentrale Rolle zu: Sie wirkt einerseits als externer Treiber des Transformationsprozesses – etwa durch regulatorische Anforderungen – und andererseits als interner Erfolgsfaktor, der die systematische Erfassung, Bewertung und Steuerung von Nachhaltigkeitsthemen unterstützt.

Die vielfältige Rolle der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen dieser unternehmerischen Transformation wurde in einer weiteren Studie von Katrin Hummel und Karina Bauernhofer (beide WU Wien) untersucht. [2] Der Fokus liegt dabei auf drei zentralen Instrumenten, die durch die ESRS und die EU Taxonomie Verordnung an Bedeutung gewonnen haben: der Analyse der doppelten Wesentlichkeit, der Klimarisikoanalyse und dem Übergangsplan für den Klimaschutz. Die Ergebnisse zeigen, dass die Analyse der doppelten Wesentlichkeit wertvolle Ansatzpunkte für die strategische Integration von Nachhaltigkeitsthemen liefern kann. Die Klimarisikoanalyse unterstützt Unternehmen dabei, klimabezogene Risiken systematisch zu identifizieren und zu steuern – ein Aspekt, der angesichts des fortschreitenden Klimawandels zunehmend an Bedeutung gewinnt. Unternehmen, die bereits einen Übergangsplan für den Klimaschutz verabschiedet haben, berichten zudem von einer klareren strategischen Ausrichtung sowie einer verbesserten internen Koordination klimabezogener Maßnahmen. Insgesamt zeigt sich damit: Diese Instrumente tragen nicht nur zur Einhaltung regulatorischer Anforderungen bei, sondern setzen zugleich wichtige Impulse für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung.

FAZIT

Die aktuellen Studienergebnisse zeigen: Nachhaltigkeitsberichterstattung ist weit mehr als eine regulatorische Pflicht. Sie kann – richtig eingesetzt – zum Katalysator für eine tiefgreifende unternehmerische Transformation werden. Die empirischen Befunde machen deutlich, dass strategische Verankerung, kultureller Wandel, Top-Management-Commitment und funktionsübergreifender Austausch zentrale Erfolgsfaktoren für diese Transformation darstellen. Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützt diesen Prozess sowohl durch externe Impulse als auch durch interne Steuerung. Instrumente wie die doppelte Wesentlichkeit, die Klimarisikoanalyse und der Klimatransitionsplan zeigen darüber hinaus, wie regulatorische Anforderungen zur strategischen Weiterentwicklung von Unternehmen beitragen können. Vor diesem Hintergrund kommt es nun darauf an, Berichterstattung als strategisches Steuerungsinstrument zu begreifen – um langfristig erfolgreich und zukunftsfähig zu wirtschaften.


Quellen

[1] Vgl. Katrin Hummel & Annette Krauss (2025), Steering Banks Towards Sustainability, SSRN Working Paper, https://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/6079907.pdf?abstractid=6079907.

[2] Vgl. Katrin Hummel & Annette Krauss (2025), Steering Banks Towards Sustainability, SSRN Working Paper, https://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/6079907.pdf?abstractid=6079907.


Katrin Hummel ist Universitätsprofessorin bei der WU Wien.

Außerdem ist sie fachliche Leiterin des Lehrgangs Certified ESG & Sustainability Professional.


Immer auf dem aktuellen Stand: Sie möchten kein Update mehr verpassen? Folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie immer auf dem aktuellen Stand was News aus den Bereichen Controlling, Finance & Management angeht.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert