Personale und organisationale Resilienz als Kernkompetenz

Unter Druck klar zu entscheiden, ist heute eine der zentralen Führungsaufgaben. Resilienz wird dabei zum entscheidenden Faktor – nicht nur für Einzelpersonen, sondern für ganze Organisationen. Andrea Auinger, Expertin für Coaching und Psychotherapie bei INOVATO, zeigt, wie Stress, Resilienz und Entscheidungsfähigkeit zusammenwirken.

Wie genau sich personale und organisationale Resilienz gezielt entwickeln lassen und welche Rolle Führung dabei spielt, thematisieren Andrea und Franz Auinger in ihrer Keynote beim Austrian GRC Day 2026.


RESILIENZ ALS KERNKOMPETENZ IM MANAGEMENT: KLAR ENTSCHEIDEN UNTER DRUCK!

Führung bedeutet, eine Stabilitätsfunktion zu haben, damit Organisationen unter Druck entscheidungsfähig bleiben.

Resilienz entscheidet heute über die Qualität von Entscheidungen – sowohl bei Einzelpersonen als auch in Organisationen. Sie ist daher kein Kriseninstrument, denn sie entsteht nicht in oder durch die Krise, sondern wird schon vorher aufgebaut. Resilienz ist die entscheidende Fähigkeit, Belastungen rechtzeitig zu erkennen, sich in Krisen regulieren zu können und dadurch flexibel zu reagieren und handlungsfähig zu bleiben.

Neurowissenschaft und Praxis zeigen, warum Stress das Denken verändert und wie Unternehmen Resilienz gezielt aufbauen können.

RESILIENZ ZEIGT SICH DAHER ALS ERFOLGSFAKTOR AUF ZWEI EBENEN

In unserer immer fragileren Welt (Stichworte VUCA, BANI, …) mit geopolitischen Verwerfungen, Lieferkettenengpässen, KI u.v.m. treffen Führungskräfte Entscheidungen zunehmend unter großem Druck. Zeitknappheit, Unsicherheit und komplexe Datenlagen sowie Zahlendruck sind zum Alltag geworden. Sie begleiten bis in den Schlaf, machen körperliche und seelische Symptome.

Und das belastet!

Die konkreten derzeitigen Krisen wirken sich negativ auf die Psyche aus und destabilisieren Menschen immer mehr. Steigende Krankenstandszahlen (belegt durch Krankenstandstage der ÖGK) zeigen das drastisch. 10% der Erwerbstätigen sind von Burnout betroffen, die Dunkelziffer meint, dass jeder 5. Mensch betroffen ist. An einer Depression oder Angststörung leiden 39%. Auch hier scheint die Dunkelziffer höher zu sein.

Aber was kann der Einzelne, können Unternehmen tun?

Resilienz wird oft nur als eine individuelle Fähigkeit verstanden. Tatsächlich wirkt sie aber auf zwei Ebenen:

  • personale Resilienz: Umgang einzelner Personen mit Stress
  • organisationale Resilienz: Fähigkeit von Unternehmen, stabil zu bleiben und sich anzupassen

Beide Ebenen beeinflussen sich gegenseitig.

WAS IM GEHIRN UNTER STRESS PASSIERT

Stress aktiviert das neurobiologische System (u.a. limbisches System mit Amygdala). Dabei wird Cortisol ausgeschüttet, welches (wenn es sich nicht von selbst wieder reguliert) zu vegetativen Störungen und Symptomen führt. Die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit leidet, man fühlt sich nervös, unruhig und energielos und das wirkt sich auf die Entscheidungsfähigkeit aus, die vorschnell getroffen werden.

Gerade in Controlling und Risk Management ist das kritisch.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich unser Gehirn als eine Art Entscheidungsfenster vor. Normalerweise ist das Fenster weit offen – wir sind neugierig, wollen dazulernen, Dinge ausprobieren und sind voller Tatendrang.  Unser Arbeitsgedächtnis funktioniert bestens. Entscheidungen werden klar überlegt und gut getroffen. Nun kommt etwas Unerwartetes auf uns zu. Eine wichtige Entscheidung muss rasch getroffen werden, ein Konflikt eskaliert, Kunden setzen einen unter Druck … das Entscheidungsfenster wird immer schmäler – bis zu einem Schlitz. Unser Hirn steuert nicht mehr, sondern reagiert nur noch. Neurobiologisch sind wir unseren Hormonen und Stresssystemen ausgeliefert.

DIE GUTE NACHRICHT: RESILIENZ IST AUCH „ERLERNBAR“

Es gibt also Fähigkeiten in unserem Organismus, die sich auf Organisationen übertragen lassen.

Zu diesen gehören unter anderem Optimismus, Akzeptanz, Selbstwirksamkeit, Netzwerke, Zukunftsorientierung und Verantwortung. Aber das ist noch nicht alles, wir müssen auch lernen, uns zu regulieren, damit wir wieder die Oberhand gewinnen können und klar agieren. Hier setzt die personale Resilienz an.

Organisationale Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, auf Veränderungen adäquat zu reagieren und Krisen durchtauchen zu können. Es beschreibt auch die radikale Akzeptanz dessen, was wir nicht ändern können.

Personale und organisationale Resilienz sind daher im Organisationskontext eng miteinander verknüpft.

So reduziert beispielsweise ein stabiles und sicheres Umfeld in einer Organisation Stress, sowohl beim Individuum als auch im Team. Somit ist eine resiliente Führungskraft die entscheidende Kraft für ein resilientes Team.

Resilienz hat also einen Systemeffekt. Gerade in analytischen Funktionen wirkt Stress besonders stark. Wer kennt ihn nicht, den Tunnelblick, vorschnelle Antworten oder Entscheidungen, die man später bereut. Resilienz könnte als Game-Changer wirken.

WAS BRAUCHEN WIR DAHER, UM RESILIENZ AUFBAUEN ZU KÖNNEN?

1. Selbstreflexion

  • Eigene Unsicherheiten erkennen
  • Umgang mit Kontrollverlust

2. Emotionskompetenz

  • Gefühle wahrnehmen & benennen
  • Spannungen (aus)halten

3. Beziehungsgestaltung

  • Zuhören ohne sofort Lösungen anzubieten, Zuhören ohne zu bewerten
  • Fehler dürfen sein

4. Transparenz

  • Unsicherheiten ansprechen statt kaschieren

5. Körpergefühl

Atemtechnik, Entspannungstechnik, …

FAZIT & AUSBLICK

Resilienz bedeutet nicht, Stress zu vermeiden, sondern unter Stress handlungsfähig zu bleiben und klar zu entscheiden. Als Einzelperson, als Team oder als Organisation. Wie genau sich personale und organisationale Resilienz gezielt entwickeln lassen und welche Rolle Führung dabei spielt, ist Gegenstand unseres Vortrags beim Austrian GRC Days 2026.


Weiterführende Literatur:

Resilienz und Krisenkompetenz: Kommentierte Fallgeschichten (Rosmarie Welter-Enderlin)

– Resilienz in der Unternehmensführung: was Manager und ihre Teams stark macht (Karsten Drath)

New Work needs Inner Work: Ein Handbuch für Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation (Joana Breidenbach & Bettina Rollow)

– Die resiliente Führungskraft: Sich selbst und andere gesund führen (Wolfgang Roth)


Austrian GRC Day 2026

RISK LEADERS IN ACTION: Resilienz sichern, Transformation steuern

Wann: 05. Mai 2026
Wo: Imperial Riding School, Wien

Der Austrian GRC Day 2026  steht im Zeichen von „Risk Leaders in Action: Resilienz sichern, Transformation steuern“ und rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Organisationen erfolgreich durch Strukturwandel, Sicherheitsbedrohungen und wirtschaftliche Transformation navigieren können. Freuen Sie sich auf Impulse, Best Practices und den Austausch mit Expert:innen aus Österreich und darüber hinaus. Der bewährte Lunch & Talk bietet zudem den passenden Rahmen für einen vertiefenden Austausch innerhalb der Community.


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