Der Businessplan in einer volatilen Welt – Welche Kompetenzen brauchen Manager:innen?
Businesspläne gehören zum Standardrepertoire betriebswirtschaftlicher Planung – sowohl im Start-up-Bereich als auch in etablierten Unternehmen. Sie helfen, Geschäftsideen zu strukturieren, komplexe Vorhaben nachvollziehbar darzustellen und Investitionen zu begründen. Doch in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit, Dynamik und technologischem Wandel geprägt ist, stellt sich die Frage: Reichen klassische Businesspläne noch aus?
DER BUSINESSPLAN
Business Planning beschreibt den strukturierten Prozess, in dem Chancen analysiert, Risiken bewertet, Strategien entwickelt und finanzielle Resultate geplant werden (Nakajima & Sekiguchi, 2025). Der formale Businessplan ist das sichtbare Ergebnis dieser Arbeit – und nach wie vor weit verbreitet. Weltweit werden jährlich geschätzt mehr als zehn Millionen Businesspläne erstellt (Gumpert, 2002). Und das aus gutem Grund: Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass Businesspläne die Überlebensfähigkeit und Profitabilität von Unternehmen fördern. Dies geschieht unter anderem deshalb, weil sie Vertrauen schaffen, Stakeholder einbinden und schließlich den Zugang zu Ressourcen erleichtern, aber auch weil sie unternehmensintern Entscheidungsprozesse verbessern, Denkstrukturen schärfen und unternehmerische Flexibilität fördern. Kurz gesagt: Businesspläne wirken – finanziell, im Umgang mit Stakeholdern und im laufenden Management.
NEUE HERAUSFORDERUNGEN IN EINER VOLATILEN WELT
Doch die Anforderungen steigen. Globale Märkte werden volatiler, technologische Entwicklungen disruptiver, rechtliche Rahmenbedingungen komplexer denn je. Politische Risiken – etwa durch Handelskonflikte oder geopolitische Spannungen treffen auf dynamische Regulierungen – zum Beispiel in Bezug auf Datenschutz (DSGVO) oder Nachhaltigkeit (ESG, CSRD). Zugleich beschleunigt künstliche Intelligenz die Veränderung von Geschäftsmodellen massiv. In diesem Umfeld wird langfristige Planung schwieriger und der klassische, statisch wirkende Businessplan gerät unter Druck. Möglicherweise ist es gerade auch diese neue Realität, die dazu geführt hat, dass sein Stellenwert etwa bei Start-up-Pitches gesunken ist (Latifi et al. 2022).
Doch bedeutet dies das Ende des klassischen Businessplans? Viel wahrscheinlicher als ein Verschwinden dieses zentralen Planungsinstruments scheint eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was einen Businessplan ausmacht und wie er angewandt wird.
VOM BUSINESSPLAN ZUM BUSINESS PLANNING
Während Businesspläne historisch mit einem formalen, statischen Dokument in Verbindung gebracht wurden, sollten solche heute eher als ein dynamischer, lernorientierter Prozess verstanden werden. Die Kernelemente eines Businessplans dienen dabei weiterhin als „North Star“, der Orientierung gibt.
„Weltweit werden jährlich geschätzt mehr als zehn Millionen Businesspläne erstellt. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass Businesspläne die Überlebensfähigkeit und Profitabilität von Unternehmen fördern.“
Um in bewegten Umfeldern steuerungsfähig zu bleiben, braucht es allerdings laufende Feedback-Schleifen, regelmäßige Anpassungen und flexible Planungsinstrumente – von Szenarioanalysen bis hin zu KI-gestützten Forecasts. Ein Businessplan sollte damit also zu einem „lebenden“ Dokument werden, das kontinuierlich hinterfragt und angepasst wird. All das setzt fundiertes betriebswirtschaftliches Know-how voraus. Wer Annahmen hinterfragt, Abweichungen analysiert und auf neue Gegebenheiten reagiert, braucht ein tiefes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Gerade Controller:innen und Finanzverantwortliche nehmen hier eine zentrale Rolle ein.
RECHT IM FOKUS
Auch rechtliche Anforderungen gewinnen im modernen Businessplan an Wichtigkeit. Während diese schon immer rechtliche Aspekte explizit beinhalteten (ganz besonders etwa bei öffentlichen Förderanträgen oder in regulierten Branchen), steigt heute die Dynamik: Neue Vorschriften zu Datenschutz, Nachhaltigkeit oder Lieferketten wirken sich direkt auf Planungsinhalte aus. Vorgaben wie die CSRD oder die EU-Taxonomie verlangen, dass rechtliche Rahmenbedingungen frühzeitig erkannt und betriebswirtschaftlich eingeordnet werden. Gerade deshalb wird rechtliches Know-how zu einer weiteren Schlüsselkompetenz im Business Planning. Wer heute plant, muss nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Gesetzestexten und deren wirtschaftlicher Wirkung umgehen können.
DER PERFEKTE PITCH
Neben seiner Planungsfunktion dient ein Businessplan auch als zentrales Kommunikationsinstrument. Er bildet die Grundlage für Investitionsentscheidungen – sei es unternehmensintern in Vorstandsrunden oder unternehmensextern etwa in Start-up-Pitches. Gleichzeitig zeigen Studien allerdings auch, dass der klassische Businessplan für Investor:innen an Relevanz verloren hat – vielleicht weil andere Kanäle und Instrumente (Pitch Decks, Lean Canvas etc.) schneller und fokussierter informieren (Latifi et al. 2022). Wer überzeugend pitchen will, braucht allerdings klare und durchdachte Argumente – und genau das liefert der Businessplan. Das Verfassen eines guten Businessplans ist heute also zwar kein „Game Changer“ per se mehr, allerdings trotzdem eine notwendige Voraussetzung, auf der ein guter Pitch aufbaut. Umso wichtiger ist es, unternehmerisches Know-how zu entwickeln, um den Businessplan gezielt in moderne Kommunikationsformate einzubetten und so eine stimmige Gesamtbotschaft zu senden.
FAZIT
Businesspläne sind kein Relikt vergangener Zeiten, sondern zentrale Werkzeuge für fundierte Entscheidungen – vorausgesetzt, sie werden flexibel gedacht und professionell umgesetzt. Wer Businesspläne heute erfolgreich gestalten will, braucht betriebswirtschaftliches Urteilsvermögen, rechtliches Verständnis und unternehmerisches Geschick.

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