Winning Digital

Winning Digital – Zum Stand der Digitalisierung im Controlling

Die Digitalisierung ist in aller Munde, Buzzwords wie Big Data und Blockchain werden in einer Vielzahl von Diskussionen aufgeworfen. Nun stellt sich die Frage, inwieweit diese Technologien bereits im Controlling Eingang gefunden haben und welche Ziele mit ihrer Einführung verbunden werden. Durch eine branchenübergreifende Umfrage unter Controlling-Leitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz können diese und weitere Fragen beantwortet werden. Highlights des Controlling-Panels 2018.


1. Allgemeines

In Summe nahmen 280 Unternehmen am Controlling-Panel 2018 teil. Die Studie wird seit 2007 vom Controller Institut durchgeführt – seit 2016 in Kooperation mit EY. 80 Antworten entfielen auf österreichische Unternehmen, 124 auf Unternehmen aus Deutschland und 70 Antworten auf Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Weitere sechs Beantwortungen entfielen auf Unternehmen aus anderen Ländern. Bei rund 6.000 ausgesendeten Fragebögen entspricht dies einer Rücklaufquote von 4,6 %. Die teilnehmenden Unternehmen waren in Bezug auf Unternehmensstruktur, Branche und Unternehmensgröße breit gestreut. So kann eine valide Basis für eine ganzheitliche und sektorenunabhängige Betrachtung gewährleistet werden.

2. Highlights

Die Ergebnisse des Controlling-Panels zeigen, dass sich branchenübergreifend Unternehmen mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Zwar ist der Wert jener Unternehmen, die sich sehr intensiv mit der Digitalisierung auseinandersetzen, nur leicht angestiegen (2018: 27 %; 2017: 25 %), allerdings ist der Anteil jener Unternehmen, die sich selten oder gar nicht mit dem Thema auseinandersetzen, deutlich gesunken (2018: 3,8 %; 2017: 11,3 %) und liegt in keiner Branche mehr über 10 %.

  • Mitwirkung am Unternehmenswandel: 78 % der Controlling-Einheiten geben an, teilweise aktiv bis sehr aktiv am digitalen Wandel des Unternehmens mitzuarbeiten. Branchen, in denen besonders viele Controlling-Bereiche aktiv an der Digitalisierung des Gesamt­unternehmens mitarbeiten, sind Finanz­dienstleistungen/Versicherungen (88 %) und Pharma/Gesundheit (84 %).
  • Gestaltung der Controlling-Digitalisierung: Acht von zehn Teilnehmern des Panels gaben an, dass die Digitalisierung des Controllings zumindest teilweise vorangetrieben wird. Besonders intensiv ist die Mitarbeit in Österreich, wo 65 % der Befragten eine aktive oder sehr aktive Beteiligung des Controllings sehen. In Deutschland und in der Schweiz ist es jeweils nur rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer.
  • Kernaufgaben im Mittelpunkt: Wichtige Ziele der Digitalisierung im Controlling sind für einen Großteil der Panel-Teilnehmer (90 %) Reduktionen der Reaktionszeiten und Zeitersparnisse durch Prozessschritt-Automatisierung (89 %). Überraschend steht im Gegensatz dazu das Ziel der Kostensenkung ganz unten auf der Prioritätenliste. Dieses wird nur von 45 % der Befragten als wichtig oder sehr wichtig gesehen.
  • Geringer Fortschritt: Obwohl zahlreiche Branchen angeben, sich intensiv mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, ist diese im Controlling branchenübergreifend nur in einem Bruchteil der Unternehmen weit entwickelt (ca 11 %). Weniger als 1 % der Unternehmen sieht die Digitalisierung im Controlling als sehr weit entwickelt an.
  • Kleine Unternehmen an der Spitze: Rund 11 % der Befragten gaben an, dass die Digitalisierung ihres Controllings bereits weit fortgeschritten ist. Dabei überraschen vor allem die kleinen Unternehmen. In der Gruppe mit bis zu 100 Mitarbeitern sehen sich 17 % als weit fortgeschritten an. Ein ähnliches Bild zeigt auch die Auswertung nach Umsatz, bei der rund ein Viertel der Unternehmen mit bis zu 10 Mio € Umsatz angibt, dass die Controlling-Digitalisierung weit fortgeschritten sei. Grund dafür könnte sein, dass viele der kleineren Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung gegründet wurden und so von Beginn an auf Digitalisierung setzen konnten. Neben den kleinen Unternehmen sind es vor allem sehr große Unternehmen, die bereits deutliche Fortschritte in der Controlling-Digitalisierung erzielt haben.
  • Intensiver Dashboarding-Einsatz: Bei rund 60 % der Unternehmen ist die Dashboarding-Technologie bereits in operativer Anwendung oder im Projektstadium. Sie ist damit die am häufigsten eingesetzte Digitalisierungstechnologie. Trotz der bereits hohen Nutzerzahlen ist mit einem Anstieg der Nutzung um rund 40 % innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre zu rechnen.
  • Neue Controller-Kompetenzen: 70 % der Befragten sehen starke oder sehr starke Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kompetenzanforderungen von Controllern. In großen Unternehmen wird mit stärkeren Auswirkungen gerechnet als in kleinen Unternehmen. Vor allem die Aneignung neuer Technologiekenntnisse (IT-Skills, Data Science, Programmierkenntnisse) wird von den Befragten als Notwendigkeit angesehen.
  • Innovationsführer Österreich: Bei Betrachtung des aktuellen Technologiestandes und der von den Befragten erwarteten Einführung neuer Technologien in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigt sich, dass österreichische Unternehmen zum Teil deutlich öfter Digitalisierungstechnologien nutzen als deutsche und schweizerische Unternehmen und diesen Vorsprung in den nächsten zwei bis drei Jahren auch aufrechterhalten werden. Des Weiteren ist auch der Prozentsatz jener Controlling-Abteilungen, die den digitalen Wandel vorantreiben, in Österreich höher als in den Vergleichsländern.
Abb 1: Ziele der Controlling-Digitalisierung.

Abb 1: Ziele der Controlling-Digitalisierung.

3. Detailergebnisse

3.1. Beschäftigung mit der Digitalisierung und erwartete Ziele

Das Controlling-Panel 2018 zeigt, dass die Digitalisierung ein Thema ist, mit dem sich aktuell branchenübergreifend nahezu alle Unternehmen auseinandersetzen. Bei der Betrachtung verschiedener Vergleichsgruppen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.

  • Länderspezifische Unterschiede: In Österreich gaben 37 % der Befragten an, sich sehr intensiv mit der Digitalisierung zu beschäftigen. Dieses Ergebnis liegt deutlich über jenem für Deutschland (24 %) und die Schweiz (21 %). Insgesamt setzen sich in allen drei Ländern zwischen 65 und 70 % der Befragten intensiv oder sehr intensiv mit der Digitalisierung auseinander.
  • Branchenabhängig: Während sich in einigen Branchen (Telekommunikation/Medien/Technologie [42 %] und Finanzindustrie/Versicherungen [31 %]) bereits große Teile sehr intensiv mit der Digitalisierung beschäftigen, wird das Thema in anderen Branchen (etwa der Bau- und Immobilienbranche) nur in den wenigsten Unternehmen intensiv behandelt (13 %).
  • Unternehmensgröße: Es lässt sich eine klare Tendenz erkennen, dass sich größere Unternehmen intensiver mit der Digitalisierung auseinandersetzen würden. So gaben mehr als 80 % der Unternehmen mit mehr als 1 Mrd € Umsatz an, sich intensiv mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Bei Unternehmen, die diese Schwelle nicht erreichen, beträgt dieser Wert nur 60 %.

3.2. Digitalisierungsziele im Controlling und Fortschritt

  • Klare Ziele: Die Antworten der Befragten zeigen, dass sie das Ziel der Digitalisierung im Controlling darin sehen, Controller von automatisierbaren Aufgaben und Tätigkeiten zu entlasten. Von 90 % der Befragten werden kürzere Reaktionszeiten als ein wichtiges bzw sehr wichtiges Ziel angesehen. Eine hohe Zustimmung erfahren auch die Ziele Prozess- und Ablaufautomatisierung (89 %) sowie Qualitätssteigerung (83 %). Nicht einmal jeder zweite Befragte (45 %) gab an, dass die Kostensenkung ein wichtiges oder sehr wichtiges Ziel im Zuge der Digitalisierung sei. Dieses Ziel war damit das für die Befragten am niedrigsten priorisierte (siehe Abb 1).
  • Umsetzungsbedarf: Obwohl die Umfrageteilnehmer klare Vorstellungen zu den Zielen und der Relevanz von Digitalisierung haben, ist der Fortschritt im Controlling überschaubar. Selbst in Branchen, die angeben, sich sehr intensiv mit der Digitalisierung zu beschäftigen, ist die Digitalisierung des Controllings nur in den wenigsten Fällen weit entwickelt. So gab nur jedes fünfte Unternehmen aus der Branche Telekommunikation/Medien/Technologie an, dass die Digitalisierung im Controlling bereits weit fortgeschritten sei (siehe Abb 2). In allen anderen Branchen ist der Anteil der Unternehmen mit einem ähnlichen Fortschritt geringer. Branchenschlusslicht ist die Energie-Branche, in der kein einziges Unternehmen ange­geben hat, dass die Digitalisierung im Controlling weit fortgeschritten sei.
  • Großer Fortschritt bei kleinen Unternehmen: Vergleichsweise viele Unternehmen mit unter 100 Mitarbeitern gaben an, dass die Digitalisierung im Controlling bereits weit fortgeschritten sei (18 %). Im Mittelstand ist dieser Prozentsatz deutlich geringer (6,3 % bei Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern). Nur die Klasse der Unternehmen mit 5.000 bis 10.000 Mitarbeitern kann einen höheren Anteil an Controlling-Bereichen mit weit fortgeschrittener Digitalisierung vorweisen (19 %). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Umsatzklassen: Ein Viertel der Unternehmen mit bis zu 10 Mio € Jahresumsatz gab an, dass die Digitalisierung im Controlling weit fortgeschritten sei. Das ist der höchste Wert aller Umsatzklassen.
Abb 2: Fortschritt der Digitalisierung im Controlling.

Abb 2: Fortschritt der Digitalisierung im Controlling.

3.3. Digitale Technologien: Bedeutung und Nutzung

  • Dashboarding als Pilotinstrument: Die für die Befragten relevanteste Technologie stellt das Dashboarding dar. Dieses wird von 96 % der Befragten als relevant angesehen. Insgesamt 35 % der Unternehmen geben an, diese Technologie in operativer Anwendung zu verwenden, weitere 26 % im Projektstadium. Trotz der hohen Nutzerzahlen ist in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einer weiteren Steigerung von rund 40 % zu rechnen (siehe Abb 3).
  • Hohe Relevanz, geringe Nutzung: Die Analyse der Bedeutung und Nutzung verschiedener Digitalisierungstechnologien zeigt, dass Controlling-Leiter die Möglichkeiten der einzelnen Technologien kennen, diese jedoch nur zum Teil nutzen. Beispielhaft dafür sind die Bereiche Advanced Analytics (inkl Data Mining) und Predictive Analytics. Obwohl jeweils 86 % der Befragten glauben, dass diese Systeme für das Controlling relevant sind, haben nur 25 % der Unternehmen ein solches System im Projektstadium oder operativen Betrieb im Einsatz. Beide Technologien werden von rund 40 % der befragten österreichischen Unternehmen genutzt. Damit ist der Nutzungsgrad in Österreich rund doppelt so hoch wie in Deutschland oder der Schweiz.
  • Starke Wachstumserw­artungen: Big Data und Predictive Analytics sind jene Technologien, für die die stärksten Zuwächse zu erwarten sind. Vier von zehn befragten Unternehmen gaben an, die Technologie aktuell noch nicht zu nutzen, in zwei bis drei Jahren jedoch in Einsatz bringen zu wollen.
  • Automatisierung im Fokus: Für 72 % der Befragten ist der Einsatz digitaler Tools für die Automatisierung von Controlling-Prozessen bereits jetzt relevant oder sehr relevant. Bei der Controlling-Digitalisierung steht die Automatisierung somit in vielen Unternehmen im Fokus. Die Bedeutung von Tools zur Automatisierung steigt; 88 % sehen dies in zwei bis drei Jahren zumindest als relevant an. Auch die Relevanz der automatisierten Planung steigt rasch. Während diese aktuell für knapp die Hälfte der Befragten relevant ist, erwarten nahezu acht von zehn Befragten eine Relevanz in naher Zukunft.

3.4. Rollen und Kompetenzen im Controlling

  • Rollenwandel durch Digitalisierung: Rund 65 % der Befragten erwarten starke bis sehr starke Auswirkungen auf die Rollen im Controlling. Während länderspezifisch keine deutlichen Unterschiede feststellbar sind, sind es vor allem Mitarbeiter großer Unternehmen, die starke Auswirkungen erwarten. Rund 80 % der Befragten in Unternehmen mit über 5 Mrd € Umsatz glauben an starke bis sehr starke Auswirkungen der Digitalisierung auf die Controlling-Rollen.
  • Neue Rollen im Controlling: 74 % der Befragten stimmen darin überein, dass Positionen für Digital-Tool-Experten (zB SAP S/4HANA, Tableau, Blue Prism) geschaffen werden müssen. Des Weiteren sehen viele der Befragten Prozessmanager (57 %) und Projektmanager (52 %) als notwendige neue Rollen an. Im Gegensatz dazu sehen weniger als die Hälfte der Befragten reine IT-Experten im Controlling-Team der Zukunft. Überraschend wenige Umfrageteilnehmer, nur Seite 56 47 %, erwarten, dass der Bedarf besteht wird, die Controlling-Abteilungen in den nächsten Jahren mit Data Scientists zu verstärken.
  • Neue Kompetenzen sind gefragt: 70 % der Befragten erwarten starke bzw sehr starke Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kompetenzen der Controller. Die Erwartungen zu den Auswirkungen sind dabei in allen Ländern ähnlich. 95 % der Befragten sehen Tool-Kenntnisse im Fokus, auch Technologiekenntnisse wie IT-Skills, Data Science und Programmierkenntnisse werden von neun von zehn Befragten als wichtig angesehen.
Abb 3: Entwicklung der Technologienutzung.

Abb 3: Entwicklung der Technologienutzung.

Auf den Punkt gebracht

Obwohl sich viele Unternehmen intensiv mit der Digitalisierung auseinandersetzen, steht die Transformation des Controlling-Bereichs am Anfang. Die Möglichkeiten, die sich dank der Digitalisierung für das Controlling ergeben, bleiben trotz des prinzipiellen Wissens um die damit verbundenen Optimierungspotenziale meist noch ungenutzt.

In den nächsten Jahren ist mit einem rasanten Nutzungsanstieg verschiedenster Digitalisierungstechnologien zu rechnen. Tools, die aktuell oft noch ein Nischendasein fristen, werden schon in wenigen Jahren nicht mehr aus dem Controlling wegzudenken sein. Ziele der digitalen Transformation sind die Verbesserung der Datenqualität und die Schnelligkeit der Controlling-Prozesse. Durch die Automatisierung von Prozessen bekommen Controller die Möglichkeit, den Fokus auf ihre Hauptaufgaben legen zu können.

Dass nur große Player eine solche Transformation meistern können, widerlegt das Segment der Klein­unternehmen, das den größten Anteil an Unternehmen mit weit fortgeschrittener Digitalisierung im Controlling ausweisen kann. Diese deutliche Abweichung kann auf eine große Anzahl an Startups zurückgeführt werden, die tendenziell einen stärkeren Fokus auf digitale Ansätze legen.

Die Ergebnisse des Controlling-Panels 2018 unterstreichen damit die im digitalen Controlling-Regelkreis 1 beschriebenen Möglichkeiten der Digitalisierung in den verschiedensten Controlling-Bereichen und deren Relevanz für Transformationsmaßnahmen. Für einen weiteren Sprung nach vorne ist die gezielte und planvolle Nutzung digitaler Technologien unabdingbar.

Der Artikel ist in CFO aktuell (Heft 2/2019) erschienen. Mehr Infos unter: www.cfoaktuell.at

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